kritik der kritik
«Ich lebe in einem sterbenden Europa», schimpft die Choreografin Angela Guerreiro. «Keine Jobs. Schleichende Armut. Länder, die ihre Idee von Unabhängigkeit aufgeben.» Aus der Tiefe des Bühnenraums kommt Robert Steijn und zieht sich aus. Legt sich auf den Boden. Und schläft. Totale Entspannung. Kein Stress. «Keine Spur davon, dass ich jemanden überzeugen müsste», sagt er später. Der ehemalige Tanzkritiker und Dramaturg schläft in vielen seiner Installationen vor Zuschauern. Das ist sein Beitrag zum Thema Kritik.
The Best. The Worst.
My Everything! - Trailer - from Tanzinitiative Hamburg on Vimeo.
Probenbesuch bei «The Best. The Worst. My Everything»: Im choreografischen Zentrum K3 auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände hat die Autorin und Tanzkritikerin (und regel- mäßige «tanz»-Beiträgerin, A. d. Red.) Irmela Kästner sechs Choreografen dazu aufgerufen, künstlerische Statements zum Thema «Kritik» zu geben. Und sich dabei nicht irritieren zu lassen: nicht als Schwarm zu verschmelzen wie so oft im Tanz, sondern bei der Rolle zu blei- ben, die sie vorbereitet und mitgebracht ha- ben. Eine Bühne also voller Einzelkämpfer, die eine kritische Haltung einnehmen und zu ihrer Sache stehen. Was ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August-September 2015
Rubrik: praxis, Seite 68
von Gabriele Wittmann
tritt in der Natur immer dort auf, wo Energie nur noch in eine Richtung gebündelt wird. Bei jeder Stromleitung ist er da, der Widerstand. Er entsteht von selbst, wenn eine Regierung, sagen wir die israelische, jene Künstler verdrängen will, deren Kunst oder Anschauungen mit den ihren nicht übereinstimmen. Der bekannte Choreograf Arkadi Zaides, der sich in den...
Arkadi Zaides ist in Deutschland kein Unbekannter. Mit seinem Stück «Archive» war er im Mai bei den Potsdamer Tanztagen zu Gast, derzeit reist er damit durch halb Europa. Bei Israels rechten Aktivisten und Politikern hat «Archive» bereits 2014 für mächtig Wirbel gesorgt. Aber Zaides ist nicht allein. Für Künstler generell ist die Lage in Israel alles andere als...
Als Erstes fällt sein Yorkshire-Dialekt ins Ohr, leicht abgeschwächt nach jahrelanger Tätigkeit in London und anderswo, aber noch immer mit dem unverkennbaren Tonfall der Region um Huddersfield, wo er 1957 geboren wurde: warm, entspannt, freundlich, wie David Bintley selbst. Er trägt einen blauen Pulli und Jeans, ist mittelgroß gewachsen, und sein dunkles Haar...
