Leipzig: Cindy Hammer «Motel Vibes»
Auf den richtigen Standpunkt kommt es an. Während sonst das Publikum eher außen vor sitzt und das Bühnengeschehen wie durch eine vierte Wand betrachtet, lässt Cindy Hammer «Motel Vibes» aus einem ungewohnten Blickwinkel heraus betrachten. Bei der Uraufführung im Festspielhaus Hellerau stehen die Zuschauer auf einer Galerie und schauen von oben herab auf einen Raum, der ganz offensichtlich schon mal bessere Tage erlebt hat. «MOT L» ist irgendwann einmal in violetter Leuchtschrift zu lesen.
Hinter einem fotografierten Rollo lassen sich Palmen erkennen; «Paradies Inn» heißt es dazu auf einer Ansichtskarte, die einem beim Betreten der Seitenbühne Ost in die Hand gedrückt wird. Fast wähnt man sich in einem Film von Alfred Hitchcock. -Tatsächlich spricht Cindy Hammer englisch, als sie nach geraumer Zeit zum ersten Mal zum Telefon-hörer greift.
Rudi Goblen sitzt neben ihr auf dem Bett, und doch scheinen die beiden Welten zu trennen. Ein Dialog auf Distanz, nicht zuletzt durch Körpersprache kommuniziert: Mal macht es sich einer bequem, mal zucken Schultern, als ob sich der Angesprochene am ganzen Leib verspannt. Worte erübrigen sich da eigentlich, und wortlos lässt sich der Dissens auch ...
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Tanz April 2019
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Hartmut Regitz
Der berühmteste Sohn der Ruhrgebietsmetropole Oberhausen heißt Christoph Schlingensief. Der 2010 gestorbene Künstler lud die damals sechs Millionen Arbeitslosen zum Baden ins Urlaubsdomizil von Ex-Bundeskanzler Kohl am Wolfgangsee ein, gründete die Obdachlosenpartei «Chance 2000» und errichtete zu den «Wiener Festwochen» ein Containerdorf für Asylbewerber, die nach...
Kein «Nevermore». Der Rabe, der an der Kasse der Staatsoper Hannover sitzt, bleibt stumm. Schließlich soll ja nichts verraten werden über den «Abend für Edgar Allan Poe», in dem sein «Nevermore» nach der Pause angeblich eine Rolle spielt. Mauro Bigonzetti nennt so jedenfalls sein Ballett, dem Mozarts Sinfonie in g-Moll KV 183 als musikalischer Background dient. Es...
Kirchen aus den 1970er-Jahren sind in der Regel leicht zu erkennen: Betonbrutalismus in Quadrat- oder Quaderform, obendrauf ein Stahlkreuz, innendrin Holzbänke, Glasfenster und ein Altar, auf dem sich metallene Kandelaber, Bibellege und ein Kruzifix zusammenfinden. Genau an diese architektonische Kargheit erinnert das Bühnenbild, mit dem Eno Henze das «Requiem» in...
