Wie man Talente macht
Gerade ist er dabei, ein neues Programm für die zukünftige Residenz seiner Kompanie am Königlich Dänischen Opernhaus im Hafenviertel von Kopenhagen zu lancieren. In seiner Funktion als Leiter von Dansk Danseteater, das seit seiner Gründung 1981 auf einen Mix aus Klassik und Moderne setzt, begegnen Tim Rushton viele Tänzerinnen und Tänzer – doch nicht alle eignen sich für das, was Rushton für seine Kompanie vorschwebt. Alljährlich muss er aus vierhundert Tänzern, die an den Auditions für das Dansk Danseteater teilnehmen, eine Auswahl treffen.
«Rund dreihundert dieser vierhundert Leute», sagt Rushton, «sind talentiert. Von diesen dreihundert sind etwa einhundert sehr talentiert. Und von denen wiederum kann ich nur zehn auswählen!» Als Künstlerischer Leiter und Chefchoreograf ist Rushton darauf aus, diesem Nachwuchs seinen Stempel aufzudrücken. Gleichzeitig muss er darauf achten, eine bunte Mischung aus höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten zu gewährleisten. Auch wenn jedes Kompaniemitglied lediglich einen Einjahresvertrag erhält, weisen die Produktionen des Ensembles eine außergewöhnliche künstlerische Kontinuität auf. Am Ende jeder Saison muss der Leiter mit ...
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Tanz Januar 2017
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Charlotte Christensen
Geh, wilder Knochenmann! Die Tänzerin Giulia Tonelli sträubt sich mit Händen und Füßen in der Umarmung von William Moore. Solche Bilder vom Tod und dem Mädchen sind hier allgegenwärtig. Die Frauen werden in dieser Totenmesse als leichte Bürde geschultert oder wie eine zerbrechliche Fracht am Boden abgelegt. In «Messa da Requiem» lässt der Choreograf Christian...
Dieselbe Musik und doch nicht die gleiche. Die «Chaconne in g-moll» von Henry Purcell eröffnet den «Sommernachtstraum» im Mannheimer Nationaltheater, und sie signalisiert auch sein Ende: erst in einer Bearbeitung von Benjamin Britten, dann im Arrangement von Joby Talbot. Von den beiden Briten ist an diesem kurzweiligen, kühn konstruierten Abend auch anderes zu...
Sie war «solide, erdverbunden, aus schwerem Lehm, nicht aus Glas». Kein Wunder, dass sie lange Zeit nur «Die Schwester des Tänzers» war, wie der Roman von Eva Stachniak in der deutschen Übersetzung heißt. Der englische Originaltitel lautet mit mindestens ebenso großer Berechtigung «The Chosen One», denn Vaslav Nijinsky hatte Bronislava Nijinska als Opfer in...
