politik im tanz

Tanz - Logo

Vom Schauspiel verlangt das Publikum, dass es Stellung bezieht, Partei ergreift und eine Meinung vertritt. Vom Tanz hat man derlei kaum je erwartet. Darum war er so selten politisch verdächtig – ausgenommen, die Künstler ließen sich von Diktatoren verheizen. Der Tanz fällt gern in die Kategorie des Amüsements und scheint dem Zirkus verwandter zu sein als der politischen Rhetorik. Wie so vieles ist auch das eine Frage der Perspektive und des Bewusstseins.

Denn jenseits explizit politischer Anliegen können Tanzstücke, kann der Tanz in heftige politische Turbulenzen geraten und entsprechende Reaktionen auslösen.

So geschehen mit «La création du monde», der Welterschaffung durch die weltkriegsgeschädigten Künstler Fernand Léger, Blaise Cendrars und Rolf de Maré, die hinter dem Schutzwall afrikanisch inspirierter Masken 1923 ein Ballett aus Panzern schufen. Faustin Linyekula entreißt den Großvätern der Avantgarde diese Larven – weshalb der durchaus kriegserfahrene kongolesische Choreograf in Konflikt mit dem weißen Mann gerät, weil dieser seine Geschichte gern als unveränderliches Monument anbetet (Seite 8). Oder sie als Wunde begreift, die niemals heilen darf. Israel Galván, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2013
Rubrik: editorial, Seite 1
von

Weitere Beiträge
la création du monde

Es ist ein seltsames Ungetüm, das sich da eine Viertelstunde lang über die Bühne wälzt: Vielköpfig, mit diversen Schnäbeln und Tentakeln, Schuppenpanzern und allerlei Insignien der Herrschaft ausgestattet, richtet es sich schwerfällig zu Ehrfurcht gebietender Überlebensgröße auf. Dann schwankt und brodelt es in seinem Inneren, einzelne Ableger lösen sich von der...

wien: kat válastur «oh! deep sea – corpus III»

Was die griechische Tanzkünstlerin Kat Válastur hier mit ihren drei Kombattanten anstellt, das nennt man ganz profan: Popping. Bei diesem Breakstil zuckt der Leib, als durchtanze er ein Strobolicht. Die Bewegungen sind abgehackt.

Die Meister solcher Street-Dance-Kunst verdienen sich Respekt durch absurde Isolationen: Ihre Gliedmaßen schleudern sich unabhängig...

gischt aus licht

Dem Mann fliegt etwas um die Ohren, tanzt etwas vor den Augen. Die allerdings hält er bedeckt. Ein Arbeiter in Schutzkleidung, ein Forscher, der aussieht wie ein Insekt. Was ist es, das ihn da tausendfach umschwirrt und bedrängt? Es scheint zu flattern, hat nichts als Flügel. Oder sind es nur lose Schnipsel? Dem Betrachter macht der Anblick ein kribbelndes,...