Warm-Up
gestohlene gefühle
Ein Jüngling liebt ein Mädchen und hat sich diesem noch nicht vermählt es ist eine alte Geschichte. Er kauft für teures Geld Ballettkarten, um ihr zu imponieren. Während der Vorstellung sucht er verzweifelt nach dem Moment der Gefühlseinigkeit. Er wird ihn schon in irgendeiner Art finden, denn schließlich hat auch das Mädchen darauf gewartet. Aber insgeheim ist er enttäuscht. Auf der Bühne hat er echte Gefühle nicht gesehen, er fühlt sich getäuscht. Kann man Gefühle stehlen?
Der Verstand irrt, das Gefühl nicht.
Sagte einst der Komponist Robert Schumann und teilte sich in den Rationalisten Eusebius und den Romantiker Florestan, um die Dialektik schreibend voll auskosten zu können. Dialektik würde man auch vielen heutigen Betrachtern des Tanzes wünschen, die so gerne nach Schwarz und Weiß urteilen. Man braucht aber keine Scharfrichter, sondern Menschen, die in historischen Dimensionen denken und fühlen.
Bei der Eröffnung der diesjährigen Ausgabe von «Tanz im August» wurde die Choreografie «Available Light» gezeigt, Anfang der 1980er-Jahre von Lucinda Childs entworfen. Kühl zogen die Tänzer ihre Bahnen und präsentierten nichts als Figuren, scheinbar absichtslos ...
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Tanz November 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Bernd Feuchter
Ein Rechtsstreit um die Nachfolge auf dem Chefsessel, Schulden und zuletzt heftige Wasserschäden infolge des Hurrikans «Sandy» an eingelagerten Ausstattungen die Martha Graham Dance Company hat schwere Zeiten hinter sich. Aber die seit 2005 amtierende Künstlerische Direktorin Janet Eilber setzt alles daran, die Kompanie im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Sie...
ratgeber
being a dancer
Die Autorin Lyndsey Winship schreibt Tanzkritiken für den «London Evening Standard», «The Guardian» und andere Printmedien. Ihr besonderes Interesse für modernen Tanz ist ebenso bekannt wie ihre frischen und wohlwollenden Rezensionen. Ihr erstes Buch, «Being a Dancer», wird bei Tanzstudierenden vermutlich gut ankommen: Es ist preiswert, hat...
Dunkelheit, dann eine Leinwand, darauf ein roter Punkt, pulsierend wie ein Herz. Plötzlich taucht Shantala Shivalingappa aus der Finsternis auf, eine zierliche, beinahe gotisch-sakrale Figur: «Es war einmal, bevor die Zeit Zeit war, da war alles nichts, und das alles, das nichts war, begann.» So hebt «AM I» an, die jüngste Produktion des australischen Choreografen...
