Daniel Goldin: «Von Licht und Fremde»
Applaus. Daniel Goldin tritt mit seinem Ensemble vor. Über dem Ensemble hängt ein Ensemble von Motorhauben. Goldin schaut ungläubig. Er sieht uns plötzlich an – was seinen Tänzern neunzig Minuten lang nicht gelang. Goldin scheint sich zu fragen, ob ein Lächeln überhaupt angemessen sei. Es passt nicht in die Verrückung, die er wieder einmal geschehen ließ. Lauter Verrückungen choreografierte er anlässlich der Ausstellung im Landesmuseum in Münster.
«Orte der Sehnsucht» heißt sie und zeigt Mitbringsel von Malern, von Dürers Italienreise über Gaugins Südsee-Fahrten bis zur heutigen Reisereportage (noch bis zum 11. Januar).
Reisen ist, glaubt man Goldin, was niemanden von der Stelle bringt. Reisen sei allein Ich-Erfahrung, allenfalls Ich-Erweiterung, bestenfalls Anverwandlung der Fremde. Letzteres gelingt nur den wunderschönen Kostümen von Gaby Sogl. Ganz in Schwarz, mit weißem elisabethanischem Kragen, die Zigarettenspitze abspreizend, tanzt Jennifer Ocampo Monsalve wunderzart in sich selbst – wie ein Gemälde.
Der Tanz vermeidet vorsichtig den Eindruck der Skulptur, möchte auch nicht den Rahmen sprengen. Tanzen scheint eher wie der tastende Versuch, einem Gemälde zu entsteigen, der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie sind Weltreisender in Sachen Improvisation – wer kann’s eigentlich besser, die Finnen oder die Brasilianer? Es gibt natürlich riesige kulturelle Unterschiede. Aber jeder Mensch improvisiert, schon wenn er auf die Welt kommt, im Umgang mit seinen Eltern oder...
Schluss mit dem Individuum. Die Grenze zwischen You und Me verschwindet. Das Eigene ist sowieso kaum zu erkennen. Dieses Stück von und mit Benoît Lachambre und Louise Lecavalier ist fast ein Puppentheater. Die Bühne: ein rampenartiger Klotz mit kleinem Bewegungsfeld. Rechts und links hantieren die Mitkreatoren, der Musiker Hahn Rowe und der Licht- und Bildkünstler...
Im Mousonturm in Frankfurt/Main steht ab dem 15. Dezember ein «Gebetomat». Ihn stellt unser langjähriger Autor, der Hörspielmacher und Regisseur Oliver Sturm, auf: zum 20. Geburtstag des seit zwanzig Jahren von Dieter Buroch geleiteten Künstlerhauses. Für 50 Cent werden Gebete aus allen großen und kleineren Religionen erhört. In seinem beichtstuhlähnlichen...
