Mario Schröder: «Das Schloss»
«Folgen Sie dem weißen Pfeil!» Barsche Kommandos empfangen den Besucher im Kieler Opernhaus zu Mario Schröders von Kafka inspirierter Tanzerzählung «Das Schloss». Gehorsam tappt der Zuschauer ins Gänge-Labyrinth hinter die Bühne, wo ihn Registratoren mit gezücktem Bleistift erwarten.
Blitzlicht blendet die Augen.
Nach der Farbe befragt, stolpert er weiter durchs Halbdunkel, findet mit der beruhigenden Einsicht zurück ins Foyer: Die «Einwohnermeldeamt»-Methoden von anno dunnemal haben sich mit Sicherheit verschärft, seitdem die Kontrollbehörden elektronische Datenerfassung infam als freundliches Service-Angebot für den Bürger tarnen, um ihn desto gründlicher durchleuchten und abspeichern zu können.
Schröder hat dafür im beklemmenden, doch auch ironisch satirischen Stück über die totale Kontrolle ein frappierend einleuchtendes Bild gefunden: In strahlend blauen knisternden Kunststoffanzügen umspringt die uniforme Gruppe bedrohlich das einzige Menschenwesen und droht es aufzusaugen. Anne-Marie Warburton rennt gegen die Phalanx an, sucht sich ihr zu entziehen und unterliegt zum «Lacrimosa» von Bach. Die Tänzer schlüpfen aus Sönke Müllers Kostümen, die wie leere Insektenpanzer stehen ...
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Ssssssss. Rtschschhhh. Leise, fast unhörbar hohe Töne sirren durch den Raum. Die Luft flirrt und vibriert. Irgendwo auf der dunklen Bühne, von der ein schwarzer Teppich wie ein schmales Band zur Rampe auf die Zuschauer zuläuft, bricht etwas auseinander, reißt etwas ab, dehnt sich etwas knarzend aus. Ritsch. Ein kleiner Kran dreht sich wie der Arm einer Krake durch...
Who the fuck is Mozart?
nennt Sergei Vanaev seinen Mozart-Beitrag tatsächlich. So ganz dämlich ist die Frage vielleicht nicht. Der Choreograf in Bremerhaven denkt wohl manchmal auch: Where the fuck is Bremerhaven? Denn selbst dann ist man noch nicht am Ziel- und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wenn es um die Salzburger Wunderkind-Feier des Jahres 2006 geht....
«Er ist einmalig», meint der ehemalige Ballettmeister und Direktor der John Cranko-Schule, Alex Ursuliak: «Er hat einen Sprung – wie Juri Solowjew einst. Er hat Beine wie kein anderer, beinahe weiblich schön. Er hat einen unglaublich geschmeidigen Körper, noch ganz jung in seiner Form, und ein Gesicht mit dem gewissen Etwas, so wie man es von Vaslav Nijinsky kennt:...
