Die Kopie der Geschichte
Tanz braucht eine Geschichte, auf die er, wie andere Kunstformen auch, zurückgreifen kann – war dies ein Motiv für Ihre Arbeit?
Millicent Hodson: Die Tanzgeschichte ist sehr stark mit dem Thema Verlust verknüpft. Daraus wurde sogar etwas Heroisches: Dass der Tanz deshalb wunderbar ist, weil er verschwindet. Ich persönlich möchte aber die Dinge sehen, die so wunderbar waren. Kenneth und ich trafen uns bei diesem Thema. Seine Position war: Was ist eigentlich Verlust? Wenn noch einige Dinge übrig sind, dann gibt es immer auch etwas, das man re-imaginieren kann.
John Neumeier: Den Tanz kennzeichnet, dass er gerade keine universelle, lesbare Form hat. Wenn man Musik studiert, kann man zumindest lernen, wie man die Musik des Mittelalters entziffert. Ähnliches gilt für Maler und Schriftsteller. Alles, was man als Tänzer lernt, wird physisch gezeigt, die Tradition des Tanzes wird über Personen weitergegeben. Wenn diese Linie unterbrochen wird, dann brauchen wir Leute, die diese Lücke schließen. Aber die Lücke selbst fasziniert mich an der Tanzgeschichte. Wenn ich an meine Lehrer und an die Lehrer meiner Lehrer denke – ich sehe immer nur Menschen, nie einfach nur Geschichte.
Kenneth Archer: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ihr Geburtsjahr 1886 sieht zwei romantische Fixsterne verglühen. Im Starnberger See ertrinkt unter rätselhaften Umständen der Märchenkönig Ludwig II., in Bayreuth schließt Franz Liszt, der Schwiegervater Ri-chard Wagners, für immer die Augen. Derweil spitzt ein ehemaliger Wagner-Fanatiker schon die Feder zum Sockelstoß: «Ist Wagner überhaupt ein Mensch? Ist er...
Wanda Golonka hat zum Abschluss ihrer acht Jahre als Hausregisseurin bei Elisabeth Schweeger am Schauspiel Frankfurt Peter Handkes Stumm-Stück «Die Stunde da wir nichts voneinander wussten» inszeniert. Wieder arbeitete sie mit Schauspielern und nicht mit Tänzern. Und sie hat uns nach einer Reihe überraschender Inszenierungen wieder gezeigt, dass sie ein Ensemble...
Diesem Anfang wohnt wahrlich ein Zauber inne: Wenn Martin Schläpfer zur neuen Spielzeit die Ballettdirektion der Deutschen Oper am Rhein übernimmt, verbinden sich mit seiner Person Hoffnung auf ästhetische Neuerung und internationale Wieder-Beachtung. Sicher, sein Vorgänger Youri Vàmos hat in den vergangenen 13 Jahren das Haus gefüllt und sein Pub-likum erfreut....
