Buster Keaton in silent mov(i)e

Tanz - Logo

Ein Vertrag, den am Stadttheater jeder Choreograf unterschreibt, enthält mindestens diesen Passus: «Ch. ist verpflichtet, verstorbene Personen des öffentlichen Lebens zu vertanzen, die jedermann geläufig sind.» Nach Frida Kahlo («Casa Azul») zerlegt ­Margue­rite Donlon nun den großen Komiker ­Bus­ter Keaton. Ebenfalls immer unterschrieben wird: «Ch. ist verpflichtet, bei großem Ensemble die Hauptrolle auf mehrere Nebenrollen zu verteilen.

» Bei Marguerite Donlon spielt Moon Suk Choi den Keaton, dazu gibt es einen «kleinen Buster» namens Masayoshi Katori und zwei Schatten-Keatons. Es ist nach Maryse Delente und Jiří Kylián der dritte Versuch, diesen großen Stummfilmstar mit dem tanzenden Slapstick zu verprügeln. Bei der gesehenen zweiten Vorstellung gab es dafür genau einen Lacher, vielleicht deshalb, weil Moon Suk Choi mit schwarzem Platthut und roter Nelke eher an einen grimassenlosen Charlie Chaplin erinnert, kaum an Keaton.

Chaplin zelebrierte einen Boxkampf etwa wie komisches Ballett. Buster Keaton dagegen bestand auf der rohen Brutalität. Er brauchte zum Witz immer die Wirklichkeit, einen Zyklon in «Steamboat Bill Jr.» oder eine zerstörte Lokomotive und eine Überschwemmung in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2010
Rubrik: kalender, Seite 40
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
auf dvd: Matthäus-Passion

Es ist fraglos John Neumeiers monumentalstes Werk. Das, mit dem er sich am längsten auseinandergesetzt hat, sein , wie er bekennt, intensivstes Schaffenserlebnis seiner Karriere. Immer wieder während der Entstehung hat er gerungen, ob es richtig ist, sich eines solchen «Heiligtums» der Musik anzunehmen. Neumeiers Choreografie zu Johann Sebastian Bachs Passion war...

ich erinnere mich

Henry Purcells Trauermarsch braust auf. In elegantem Schwarz betritt einer nach dem anderen die Bühne und geht auf den Hintergrund zu. Da stehen sie dann in einer Reihe, alle neun, mit dem Rücken zu uns, Raimund Hoghe hält die Mitte. Eine dunkle Phalanx vor der Schwärze des Hintergrunds, Besucher einer Beerdigung vielleicht, die Abschied nehmen, innehalten, die...

berlin, bonn: Jess Curtis

ist ein Mann mit Anziehungskraft, darum heißt seine Kompanie Gravity. Die Haare bereits wunderschön ergraut, die 50 hat er schon geknackt. Zu seinen Freunden zählt der berühmte Performer und Theoretiker Guillermo Gómez-Peña – auch nicht mehr der Jüngste. Schön tanzen gehört, altersmäßig, nicht mehr in die Kategorie «schön aussehen». Was selbst Frauenzeitschriften...