Verrat der Bilder: Augmented Reality
Unter all den Begriffen aus Digitalien klingt «Augmented Reality» besonders verlockend. Gemeint ist eine erweiterte Wirklichkeit. Man stelle sich vor, in einem Theater mit einer Brille auf der Nase zu sitzen, wie sie derzeit etwa Microsoft als «HoloLens» entwickelt, um sowohl die reale Bühne als auch – sozusagen vor dem inneren Auge – zusätzliche Informationen zu betrachten. Man sähe durch die Brille den realen Tänzer und eingeblendet zum Beispiel seinen Namen.
Die Berliner Kompanie Nico and the Navigators stellt dem Publikum nun dank ihres technikbegeisterten Bühnenbildners Oliver Proske, vor allem aber dank der Fördermittel der Kulturstiftung des Bundes, 25 solcher Brillen der Marke Magic Leap zur Verfügung.
Durch mehrere spielerische Vorkurse unter dem Titel «Verrat der Bilder» – es geht mal wieder um «Bauhaus 100» –, lässt sich eine reale Gymnastin mit virtuellen Bauklötzen beschießen. Man darf sie auch mit einer virtuellen Spraydose besprühen und dreidimensionale Flecken hinterlassen. Kinderkram. Großartig dagegen ist, wenn sie, zu Übungen aus der Schule der Bauhaus-Lehrerin Gertrud Grunow (tanz 6/19), mit drahtigen 3D-Kostümen von Oskar Schlemmer tanzt, die allesamt aus dem ...
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Tanz November 2019
Rubrik: Side Step, Seite 22
von Arnd Wesemann
Die Berliner Tanzszene taucht gerne ab, hinunter zu Orten, die der Kulturbetrieb der Stadt sonst nicht im Blick hat: diesmal in die Traumabar. Unweit des Hauptbahnhofs, in einem seelenlosen Neubaugebiet auf dem ehemaligen Grenzstreifen, hat sich ein anonymer Investor einen Traum wahr gemacht: einen Mix aus Club und Kunstbetrieb auf einem Gelände mit alten Garagen....
Anfang Oktober gab Víctor Ullate bekannt, dass er seine Ballettkompanie in Madrid aus finanziellen Gründen schließen muss. Drei Jahrzehnte lang hatte der heute 72-jährige Choreograf, einst Solist in Maurice Béjarts Ballet du XXe Siècle, ein Programm zwischen Klassik, Neoklassik und spanisch getönter Moderne bestritten. Mit einer knappen Million Euro im Jahr wurde...
Sie gilt als Expertin der Verfinsterung, spezialisiert auf körperklaustrophobische Szenarien und Techno-Hospitalismen, die dem Publikum entweder den Atem abschnüren oder ein rauschhaftes Erlebnis bescheren – wobei beides durchaus auch zusammenfallen kann. Sharon Eyal zählt zur Garde der «Muss-man-gesehen-haben»-Choreografen, und das bewahrheitet sich einmal mehr...
