Gregor Zöllig «Ein Sommernachtstraum»
Das Ballett steht bei Shakespeare Schlange. Tragödie oder Komödie, egal. Shakespeares Kunst ist immer klar-verunklarte Personenkonstellation. Freund und Verräter – ein Paar. Herrscher und Narr – dasselbe. Liebe und Tod – aus dem einen folgt das andere. Shakespeares Irrungen und Wirrungen verlieren im Ballett den Wortwitz, natürlich. Werden flach wie eine Folie. Im Tanz ist Shakespeare darum nur noch vermeintlicher Konflikt. Den kann man auch ganz vermeiden, ihn tröstend mit Minimal Music, neoklassischem Synthesizer und Ballade zudecken.
Wie Gregor Zöllig das jetzt in seinem liebestollen «Sommernachtstraum» getan hat. Man kann vom Traum von freier Liebe bei Shakespeare unmittelbar auf den Traum schließen, dass freie Liebe nur umso festere Bindung sucht. Sein Bild: ein fünfzigster Hochzeitstag. Die Goldene. Bürgerliche Trautsamkeit in einem retro-chicen Wohnzimmer. Das echte Ehepaar Dorothee und Martin Uffmann als Hippolyta und Theseus laden ihre Kinder und Kindeskinder ein. Die kriechen durch Wandschränke; die Familientafel ist eine Wippe; Auftritt von lauter Verwandten und darum Gleichen aus dem Wandschrank – Zettel, Puck, Oberon (den denkbar Ungleichsten bei Shakespeare). Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine Sperrholzwand riegelt die Tiefe des Bockenheimer Depots in Frankfurt am Main ab. Gucklöcher sind hineingefräst, durch die wir hindurchspähen. Der Blick fällt in einen Raum, der wie ein unaufgeräumtes Künstleratelier aussieht. Großflächige Fotos stehen herum, auf denen die Tänzer der Forsythe Company als computertechnisch verzerrte Gestalten abgebildet sind....
«Es ist den Volkssagen eigentümlich, dass ihre furchtbarsten Katastrophen gewöhnlich bei Hochzeitsfesten ausbrechen.» Der Ironiker Heinrich Heine hatte bei seinen Reflexionen über die «Elementargeister» auch «La Sylphide» im Blick. Er war Zeitzeuge von Marie Taglioni, die im Tanztheater ihres Vaters Filippo als Elfe mit Flüglein und Spitzenschuhen Triumphe feierte...
Wilde Katzen in der Brunst. Auf allen Vieren, Auge in Auge, starren sich die Braut und ihr Ex-Lover Leonardo an. Wie magnetisch ziehen sich ihre biegsamen Körper an, scheuen nur vor der Vereinigung im Kuss zurück, bäumen sich auf wie Vollblutpferde. Sandra Munoz Lopez und Gino Abet setzen lauernd zum Sprung an, steigern ihre sexuelle Spannung. Der ungestüm...
