die götter des balletts
Griechische Götter brauchen Waffen. Einen Dreizack, eine Leier, einen Blitz. So stellen sie die bekannten Naturgewalten dar, als Götter der Stürme, der Künste und des Schicksals aber wer kommt schon darauf, eine Balletttänzerin als Naturgewalt zu betrachten? Zeus trägt hinterrücks eine Pistole, Apollo einen Degen, Poseidon einen Dolch. Diese Götter sind unmissverständlich weiblich, sie sind wehrbereit und angriffslustig.
Yinka Shonibare, britischer Künstler mit nigerianischen Wurzeln, sieht sie als zornige Statthalter vor dem Hintergrund sämtlicher Krisen, vom Klima bis zum Kapitalismus.
Modell gestanden hat ihm die Irin Melissa Hamilton vom Royal Ballet. Derzeit beglückt sie die Dresdner Semperoper (tanz 8-9/15). Bei Shonibare ist ihr Tutu aus afrikanischem Tuch gewirkt, ihr Spitzentanz in Fiberglas verewigt. Beides solle, so Shonibare, auf den Viktorianismus, das koloniale Erbe verweisen. Statt eines Gesichts thront die Erde auf ihrem Körper. Denn niemand kann die Welt außerhalb der Welt denken. Nur durch unsere Vorstellung von Göttern, die diese Erde erschaffen, mit ihr spielen, sie wahlweise auch vernichten oder gebären, erkennen wir Götter überhaupt an, nämlich als Ebenbilder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2015
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
Seit dieser Spielzeit bekleidet er den Posten des Ballettdirektors und Chefchoreografen an der Oper Graz, in der Nachfolge von Darrel Toulon. Es ist der Morgen am Tag seiner ersten Premiere. Mit «Der Liebe Schlaf», einer «Dornröschen»-Adaption für sein 17-köpfiges Ensemble, wird sich Jörg Weinöhl am Abend dem Publikum in der Steiermark vorstellen. Derzeit sind es...
Die Sache mit der choreografischen Ambition nahm Eric Gauthier mit seiner Truppe schon immer etwas lockerer, Hauptsache ein Abend macht Spaß. Mit der liegenden Acht, dem mathematischen Zeichen für Unendlichkeit, hat der Kanadier nun die perfekte Mischung aus modernem Tanz und guter Show gefunden; kein Wunder, dass der Programmtitel «Infinity» wie das neue Album...
Bei der Uraufführung, die das HR-Fernsehen im Frankfurter Theater am Turm für die Ewigkeit mitschnitt, holten die vier Schauspieler am Ende den Autor auf die Bühne. Der dünne Typ mit halblangen Haaren und Sonnenbrille setzte sich auf die Bühnenkante und hob die Arme wie ein Chordirigent. Lauter! Alle miteinander! Das Publikum applaudierte und buhte, strömte eilig...
