«Real-Lies – cosìfantutte» von Cocoondance
Mit verbundenen Augen sieht man besser. Weil der Mensch seinen (Unter)-Bauch deutlicher hört. Das darf in Liebesdingen heikel werden. Der falsche Gespiele kann durchaus der rechte sein, so das Auge nicht den Verstand aktiviert. Mozart überschrieb seine Oper gewordene, bittere Lebenseinsicht über die weibliche Untreue «Così fan tutte» – so machen es alle. Die freie Bonner Kompanie Cocoondance ließ sich von Amadeus inspirieren.
Der Philosoph Don Alfonso wettet originallibrettogetreu mit den Offizieren Ferrando und Guglielmo, dass er ihren Geliebten Dorabella und Fiordiligi den Treuebruch nachweisen kann. Die beiden Paare mutieren zu Versuchskaninchen, zeitweise mit Augenbinden, die der eiskalte Don Alfonso neu paart. Wenn Fiordiligi sich so auch von einem Esel betören lässt, ist man im Bonner Theater im Ballsaal bei Shakespeare ausgekommen. Thematisch sind sich Rafaële Giovanola (Choreografie/Regie) und Rainald Endraß (Konzept/Dramaturgie) treu geblieben. Erotik, Identität, Fremd- und Einssein verhandelten sie bereits in ihrem Erfolgsstück «Lovers and Other Strangers». «Real-Lies – cosìfantutte» ist ebenfalls kein Handlungsballett, sondern szenisches Nachdenken über Wahrhaftigkeit. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
1994 verursachte Bill T. Jones mit «Still/Here» einigen Aufruhr. Die amerikanische Kritikerin Arlene Croce weigerte sich, das Werk zu rezensieren – es handelte nicht nur von AIDS; es grundierte seine Tänze auch mit den Aussagen todkranker HIV-Positiver. Jetzt hat Susanne Linke den Titel von Jones’ Stück ironisch variiert. «Still hier! It’s Wonderful», in sechs...
Schleier. Istanbul im Juni. Das türkische Militär hat gerade Neuwahlen erpresst, um die Präsidentschaftskandidatur des moderaten islamistischen Außenministers Abdullah Gül zu verhindern, weil dessen Frau Kopftuch trägt. Westeuropa gratuliert reflexhaft zur strammen säkularen Haltung der massenhaft gegen die Regierung demonstrierenden Bevölkerung. Vor Ort sind die...
Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff entwarf schon vor zwanzig Jahren, damals als Stadtdirektor in Neuss, ein architektonisches Entwicklungskonzept für die Kleinstadt am Rhein. Der Volksmund sprach von «Big Brocky». Die Pläne wurden kleingedacht, bis wenig von ihnen übrig blieb. Jüngst sah der NRW-Kulturstaatssekretär wieder nach den Sternen. Ein Giga-Ballett für die...
