Athen: Marlene Monteiro Freitas «Bacantes» on tour
Ihr jüngstes Werk nennt sie ein «Bacchanal – Vorspiel zur Katharsis» – ein Titel, der an das legendäre dionysische Fest der alten Griechen erinnert, dem eine reinigende, also kathartische Wirkung aus wildem Tanz, wildem Wein und wilder Ekstase zugeschrieben wurde.
Katholisch verbrämt findet sich dieses Fest heute in Ansätzen noch in der Altstadt von Salvador de Bahia in Brasilien: Einmal in der Woche als sogenannter Dienstags-Segen treten Trommler aus allen Vierteln in Gruppen gegeneinander an – und steigern ein immer schnelleres Musiktempo zu einem immer frenetischer werdenden Tanz.
Bei Marlene Monteiro Freitas, Choreografin von den Kapverdischen Inseln, fehlen die Trommeln. Folglich fehlt auch der Tanz. Den beiden Schlagzeugern bleiben nur ihre Trommelstöcke. Dafür treten als gegnerische Gruppen fünf Trompeter an und fünf Tänzer. Im Wechselgesang klöppeln die Zwölf mit allem, was sie finden, sie röcheln und stöhnen sich gegenseitig an, klopfen gegen den eigenen Kehlkopf und stolzieren umher mit ihren Notenständern, die sich immer neu und anders aufklappen lassen. Diese «westlichen Vorschriftskrücken», Notenständer eben, werden zu Gewehr, Regenschirm, Staubsauger, Dreschflegel, ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 48
von Arnd Wesemann
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