hadoukening
Zuerst war’s das Planking. Der Körper liegt mit dem Gesicht nach unten tiefenentspannt auf einem Biertresen, auf Rolltreppen oder – bei strammer Bauchmuskulatur – auch mal quer zwischen zwei Supermarktregalen. Danach kam Tebowing: Die einbeinig kniende Variante von Rodins «Denker»-Skulptur, die den ganzen Kopf in die Hand stützt – diese geradezu ins Heilige überhöhte Pose wurde weltweit von Trauzeugen am Altar oder von Ärzten im Angesicht ihrer komatösen Intensivpatienten praktiziert.
Säuberlich hinterlegt sind derlei scheinbar antikonformistische Positionen auf Webseiten namens Planking oder Tebowing. Sie tragen die originellsten Zeugnisse, gern auch die von Promis, so weit wie möglich in die Welt. Die jüngste Variante viraler Körpersprache – und nun vergesst Harlem Shake oder Gangnam Style! – heißt Hadoukening. Hier wird nicht bloß posiert oder wild getanzt, hier wird ernstlich choreografiert.
Inspiriert ist Hadoukening vom sehr frühen Videogame «Street Fighter» aus den 1980er-Jahren. Deutlich anspruchsvoller als all die bisherigen Körpergesten an der amerikanischen Westküste, stammt Hadoukening aus Japan und bezeichnet eine Kampfpose. Die Hände liegen wie ein Fächer ...
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Tanz Juni 2013
Rubrik: bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
Es gab sie schon in der Weimarer Republik – die Tänzerkongresse, auf denen Rudolf von Laban seine bahnbrechende Tanznotation vorstellte, auf denen Tänzer für bessere Bezahlung stritten und ihre soziale Lage sowie die Anerkennung ihres Berufs mit den Kollegen diskutierten. 1927, 1928, 1930, dann zwei Nachkriegs-Treffen – danach riss der Faden ab. Seit 2006 gibt es...
1981, Harlem, New York. Ein älterer, leicht besoffener Herr zuckt unkontrolliert mit den Schultern: Erst schießt die linke nach oben, dann schiebt sich mit der Hüfte auch die rechte Schulter nach vorn. Sein Unterkörper bewegt sich in stoßartigen Bewegungen rhythmisch vor und zurück. Der ganze Körper gerät in epileptisches Schütteln und Rütteln. Was dieser Mann...
Ein Rock- oder Popkonzert kann einen Titel haben, muss aber nicht. «Ich bin ja schon ein Popstar», findet Michael Clark, sein «New Work» lässt er darum erst mal demonstrativ titellos – um es später von zwei auf drei Teile aufzublasen und «all three at once» zu taufen.
Bei der Uraufführung erspart er uns Erläuterungen zum Konzept. Dafür nehmen wir die Liste der...
