Eva-Maria Lerchenberg-Thöny «Bluthochzeit/Yerma»
Wilde Katzen in der Brunst. Auf allen Vieren, Auge in Auge, starren sich die Braut und ihr Ex-Lover Leonardo an. Wie magnetisch ziehen sich ihre biegsamen Körper an, scheuen nur vor der Vereinigung im Kuss zurück, bäumen sich auf wie Vollblutpferde. Sandra Munoz Lopez und Gino Abet setzen lauernd zum Sprung an, steigern ihre sexuelle Spannung. Der ungestüm leidenschaftliche, formal aber streng gezügelte Paarungs-Tanz kommt einem Sakrileg gleich unter dem Kruzifix im Sakralraum.
Peter Jeremias hat Bühne und Parkett im kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig zum dunklen Kirchenschiff umfunktioniert. Nach Federico García Lorcas Drama «Bluthochzeit» choreografiert darin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny zum «Ave Maria» und «Magnificat» von Tomas Luis de Victoria eine Art «Les Noces» auf Andalusisch. Enge harte Betbänke, darüber Salvador Dalís «Christus des hl. Johannes vom Kreuz», gemalt aus der Vogelperspektive. Der gebeugte Kopf des leidenden Jesus scheint erzürnt das Treiben zu seinen genagelten Füßen zu verfolgen. Erlösung gibt es weder für das sich über Gesellschafts- wie Religionsregeln hinwegsetzende Paar, das die Hochzeit entweiht – noch für Yerma und ihr verzweifeltes Antanzen ...
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