Eva-Maria Lerchenberg-Thöny «Bluthochzeit/Yerma»

Braunschweig

Tanz - Logo

Wilde Katzen in der Brunst. Auf allen Vieren, Auge in Auge, starren sich die Braut und ihr Ex-Lover Leonardo an. Wie magnetisch ziehen sich ihre biegsamen Körper an, scheuen nur vor der Vereinigung im Kuss zurück, bäumen sich auf wie Vollblutpferde. Sandra Munoz Lopez und Gino Abet setzen lauernd zum Sprung an, steigern ihre sexuelle Spannung. Der ungestüm leidenschaftliche, formal aber streng gezügelte Paarungs-Tanz kommt einem Sakrileg gleich unter dem Kruzifix im Sakralraum.

Peter Jeremias hat Bühne und Parkett im kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig zum dunklen Kirchenschiff umfunktioniert. Nach Federico García Lorcas Drama «Bluthochzeit» choreografiert darin Eva-Maria Lerchenberg-Thöny zum «Ave Maria» und «Magnificat» von Tomas Luis de Victoria eine Art «Les Noces» auf Andalusisch. Enge harte Betbänke, darüber Salvador Dalís «Christus des hl. Johannes vom Kreuz», gemalt aus der Vogelperspektive. Der gebeugte Kopf des leidenden Jesus scheint erzürnt das Treiben zu seinen genagelten Füßen zu verfolgen. Erlösung gibt es weder für das sich über Gesellschafts- wie Religionsregeln hinwegsetzende Paar, das die Hochzeit entweiht – noch für Yerma und ihr verzweifeltes Antanzen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2009
Rubrik: Der Kalender, Seite 38
von Klaus Witzeling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Frederick Ashton: «La fille mal gardée»

Die Rekonstruktion älterer Stoffe und Aufführungen hat Konjunktur. In Karlsruhe ist Ballettchefin Birgit Keil Verfechterin dieser Tendenz. Wie jetzt mit Frederick Ashtons 1960 in London uraufgeführtem Klassiker «La fille mal gardée»: Er ist bunt, idyllisch und herrlich naiv.

Der ehemalige Solist des Royal Ballet London und Ashton-Freund, der 82-jährige Alexander...

Anouk van Dijks «Countertechnique»

Man braucht die richtigen Werkzeuge, sagt Anouk van Dijk, wenn man die Kunstform weiterentwickeln will. Folgerichtig hat die Choreografin über fünfzehn Jahre ihre «Countertechnique» ausgefeilt. Nicht, wie oft, bloß individuelles Vokabular, dessen Vermittlung eigentlich dazu dient, eine spezifische Ästhetik zu verbreiten. Van Dijks Technik ist Grammatik – vor allem...

Samuel Wuersten und die Tänzer-Wettbewerbe

Samuel Wuersten

man sieht Sie oft bei Wettbewerben – wissen Sie noch, in wie vielen Jurys Sie gesessen haben?                                                                                                                      Ich schätze fünfzehn oder zwanzig in ebenso vielen Jahren.

Sind Sie selbst angetreten?                                                      ...