Brief aus Dar es Salaam

Esther Boldt über das Politische im afrikanischen Tanz

Tanz - Logo

Eine hochgewachsene Frau weht herein, im bodenlangen roten Rock, geschäftig mit einem Blechtopf hantierend. Sie besorgt den Haushalt in der Kargheit der Bühne, die von einem asymmetrischen, weißen Trapez abgeschlossen wird. Das allein erzeugt ein Ungleichgewicht im Raum, eine Spannung. Die Frau ist gar keine: Sie wird gespielt vom Choreografen Jonas Byaruhanga. Vier Tänzer kommen hinzu, in helle Tücher gehüllt, die sie muschelgleich aufklaffen lassen, als würde die Haut um ihre Körper geöffnet: Vorschau auf Kommendes.

Denn in «Scars of Innocence» des ugandischen Keiga Dance Theatre geht es um die Beschneidung von Frauen, eine weit verbreitete Praxis in Afrika, auch im Norden Ugandas, wo die Tänzer für ihr Stück recherchierten. Es ist ein blutiger Brauch, der die Reinheit der Frauen gewährleisten soll. Drei Millionen sind jährlich davon bedroht. Die Tänzer üben Kritik an diesen Traditionen, auf dem neuen Festival «Visa 2 Dance» im tansanischen Dar es Salaam.

In assoziationsreichen Bildern, die nichts beschönigen, entwerfen sie eine Dorfgemeinschaft, die unveränderlichen Regeln folgt. Sie sind junge Männer mit schweißglänzenden Muskeln und starker Gebärde, die sich in rituellen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: Ein Brief, Seite 51
von Esther Boldt

Vergriffen
Weitere Beiträge
David Dawson

David Dawson bis letzte Spielzeit waren Sie Hauschoreograf des Dresden Semper­Oper Balletts und mitverantwortlich für die künstlerische Ausrichtung des Ensembles. Gab es für Ihre Kündigung einen Grund?
Eigentlich nicht. Natürlich unterschieden sich die künstlerischen Konzepte von Aaron Watkin und mir, auch war mein Plan, von vornherein die Starthilfe zu geben. Das...

Die Highlights im Januar

Marco Goecke ist in Holland bekannt wie ein bunter Hund. Dabei choreografiert der Mann aus Wuppertal am liebsten schwarz in schwarz, wie man an vielen Arbeiten für Scapino Ballet Rotterdam (und «Nichts» fürs NDT) hat sehen können. Den «Notenkraker», mit dem das Ensemble derzeit durch die Niederlande tourt, nennt er sogar ausdrücklich ein «Ballet noir », obwohl...

Premieren im Januar

Deutschland

Berlin

Dock 11
Clint Lutes und Bérengère Valour verwandeln in «Get a Leg up» eine Brandkatastrophe im Bazar de la Charité in Paris am Ende des 19. Jahrhunderts in eine fiktive Geschichte aus Gier, Verrat und Tod, 7. Jan.

«Parsème», Installation von Morgen Belenguer, 21.-24. Jan.

Komische Oper
Staatsballett Berlin, «Shut Up and Dance! Reloaded»,  15. Jan.

so...