Petipa Pur: «Le Corsaire»
Auch im Ballett ist nicht jeder der, der zu sein er vorgibt. Der «Korsar» zum Beispiel. Wer kennt nicht den Pas de deux, in den sich der Protagonist anfangs förmlich hineinkniet? Ein Prachtstück aus der Petipa-Kollektion, das bei keiner Kür eines Klassik-Concours fehlen darf. Dass das Duo eigentlich ein Trio ist, hat sich erst bei der Arbeit an der Rekonstruktion von «Le Corsaire» herausgestellt – und dass die Musik nicht von Adolphe Adam stammt, sondern von Riccardo Drigo, Julius Gerber und Boris Fitinhof-Schell. Ganz zu schweigen von der Choreografie.
Erst 1915, so hat die Musikologin Maria Babanina bei ihren Recherchen für das Bayerische Staatsballett herausgefunden, wird der Pas de deux zum ersten Mal als Pas d'action auf dem Programmzettel des Bolshoi-Theater zu St. Petersburg erwähnt – posthum sozusagen, denn zum Zeitpunkt seiner Premiere war der angebliche Autor Marius Petipa bereits fünf Jahre tot. Ein gewisser Samuil Andrianov hat ihn offensichtlich «nach Petipa» choreografiert. Möglicherweise gab ihm Jahre später erst Vakhtang Chabukiani als Interpret den Virtuositätsschliff, dessentwegen wir ihn schätzen.
Die Harvard-Papiere
Wer sich mit «Le Corsaire» beschäftigt, kommt ...
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