leipzig: Mario Schröder: «Mozart Requiem»
Die Zeit läuft ab. Unerbittlich. Bevor noch ein einziger Ton des «Mozart Requiem» erklingt, das dem relativ kurzen Memorial des Leipziger Balletts den Namen gibt, ist allein das unerbittliche Ticktack einiger Metronome zu hören. Schwarz ist der Raum von Andreas Auerbach, eine Totenkammer, erhellt einzig von einem doppelten Neon-Rahmen. Darunter Tänzer und Tänzerinnen, gleich gewandet in weiße Tutus – als wären es «schwebende Wolken gestorbener Seelen», wie Volkmar Draeger in einer Kritik so schön formuliert. Ganz anders der Mann, der später auf einer Leinwand sichtbar wird.
Aufstaubend lässt er sich immer wieder in die Niederungen des Menschseins herab: eine Videosequenz aus dem Film «Teorema» von Pier Paolo Pasolini. Wie in einer Collage, wie in einem Palimpsest überlagern sich die Bilder. Man hat den Eindruck einer Übermalung à la Arnulf Rainer. Sie entgrenzt das Werk, ganz nach dem Willen des Choreografen Mario Schröder, der sein ursprünglich in Kiel geschaffenes «RequieM» von Grund auf überarbeitet hat. Dass der Genius Loci, dass Uwe Scholz dabei hereinspielt, lässt sich nicht leugnen. Viele Jahre lang war Schröder dessen Solist.
Auch der Filmemacher ist gegenwärtig; Alessandro ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Hartmut Regitz
Don Juan kann nicht anders. Wo immer er steht und geht, wird er befingert und befummelt – warum sollte er da nicht mal zugreifen? Samuel Déniz Falcón tut dies in Fernando Melos Luzerner «Don Juan» ein paarmal, obwohl er weniger Draufgänger als Drauf-Gestoßener ist. Verführen, ja, das will er und das kann er. Die eigentliche Sache dagegen scheint ihn nur vage zu...
selbstbild_________
traumkarriere
Das Bild einer Ballerina. Nicht mehr. Für Mabinty Bangura, die eines Tages Michaela DePrince heißen wird, ist der Fund allerdings mehr als nur ein Fetzen Papier, herausgerissen aus einer Zeitschrift. Er allein lässt sie alles Leid ertragen. Mit drei verliert sie den Vater, ermordet von marodierenden «Debils». Wenig später auch die...
«Chätt jetz des a romantischer Abed gsolla si?» Nein, ein romantischer Abend war das nicht, leicht gereizt beendet die Frage einen Ring- und Rammelmarathon des Choreografen-Duos Vloeistof. Anja Reinhardt arbeitet mit ihrem Partner Yuri Bongers in den Niederlanden und gehört zu den aushäusigen Eidgenossen, die der «TanzPlan Ost» zurück in die Schweiz einlädt....
