Blick-Einstellung
Die Fotografie kommt dem Tanz deshalb besonders nahe, weil beide ein eindrückliches Verhältnis zur Zeit unterhalten: zu ihrem Vergehen und damit auch zum Tod. Beide Kunstformen bezeugen eine Anwesenheit von Körpern. Die Fotografie, indem sie ihre Zeitlichkeit medial übertrumpft. Die Tanzkunst, indem sie die transformierende Zone eines steten Übergangs gestaltet. Treffen beide aufeinander, so wird der herausgestellte Zeitmoment quasi zu einem Kontaktstreifen, bezeugt, dass die Körper tatsächlich hier waren. Aber gerade dieser Zeitmoment verstellt auch deren Erscheinung: augenblicklich.
__________die herausforderung
Das Aufzeichnen von Bewegungen bildet für die Fotografie schon in den allerersten Jahrzehnten ihrer Geschichte einen wichtigen medialen, technischen und ästhetischen Kulminationspunkt. Bewegte und sich bewegende Körper konfrontieren den Fotografen mit der Notwendigkeit, in den dynamischen Bewegungsablauf ein Blickfenster von herausgehobener Zeitintensität zu legen. Das bewegende Moment des bewegten Körper soll erkennbar werden. Fotogeschichtlich gelingt der Momentfotografie von Eadweard J. Muybridge (1830–1904) dabei jener Entwicklungsschritt, mit dem die ästhetischen ...
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Tanz Jahrbuch 2013
Rubrik: Geschichte, Seite 30
von Sabine Huschka
Anne Teresa De Keersmaeker, Herman Sorgeloos, wie kamen Sie beide zusammen?
Herman Sorgeloos: Alles begann mit dem «Kaaitheater Festival» in Brüssel und der Premiere von «Rosas danst Rosas» im Théâtre de la balsamine. Der damalige Festivalleiter Hugo De Greef schlug mich Anne als Fotograf vor, weil er meine Fotos von Jan Decortes «Mauser/Hamletmachine» kannte und...
Henry Leutwyler, was hat Sie bewogen, diesen Bildband zu machen? Es sind nicht unbedingt perfekte Augenblicke – im Sinn des konventionellen Ballettverständnisses –, die Sie festhalten.
Mein Hauptanliegen war es, Schönheit einzufangen. Und ich glaube nun mal, dass Schönheit nicht in der Perfektion zu finden ist. Die Perfektion einer bestimmten Tanzproduktion...
Gert Weigelt, Sie sind als Tanzfotograf immer für die Pressefreiheit des Bildes eingetreten, auch für öffentliche Foto-Proben an Theatern. Warum?
Warum sollten Bildjournalisten schlechter gestellt sein als Wortjournalisten? Pressefreiheit gilt für beide, wenn auch die Arbeitsweisen verschieden sind. Da ein Bildjournalist nicht während der Premiere fotografieren...
