Raus zum Applaus
«Wie war ich?» Wenn eine Tänzerin nach der Aufführung so fragt, geht es nicht unbedingt um Hebefiguren, Headspins oder Spagat. Genauso wichtig ist eine gute Vorstellung am Ende des Auftritts. Oder umgekehrt: Ein guter Auftritt nach der Vorstellung. Nicht erst im Cocktailkleid auf dem Empfang, sondern schon vorher, wenn sich der Vorhang hebt, zum Applaus. Wenn das Licht wieder angeht, das Verbeugen ansteht, und plötzlich ist er da – der direkte Kontakt mit dem - Publikum.
Genau dann wühlen die Zweifel: Wie forsch darf der Schritt sein, wie selbstbewusst das Lächeln? Und wenn es zu schüchtern aussieht? Ist das schlimm?
Das Verbeugen ist ein Ritual. Tanz ohne Rituale, das geht gar nicht. Schon gar nicht im Ballett, und erst recht nicht beim alljährlichen «Défilé» an der Pariser Opéra. Nirgends wiegt die Huldigung an die Tradition schwerer. Das «Défilé» endet in einer Architektur aus weiß bekleideten Grazien und Galanen aller Altersstufen, fein geordnet zu nachgerade barocker Symmetrie. Dahinter steckt Kalkül. Nur Rituale erhalten die Tradition. Im zeitgenössischen Tanz geht es lässiger zu: Kurzes Nicken ins Publikum, ein Wink zum Regieteam, vielleicht noch ein Lächeln – das genügt. ...
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Tanz Februar 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Thomas Hahn
Deutschland
Bad Soden
Ballettschule Ulrike Niederreiter
Dipl. Ballettpädag. Ballett/Jazz/Modern/Charakter/tänzerische Früherziehung. Ausbildung bis zur Akademiereife. Ballettmärchen. An der Trinkhalle 2B, D-65812 Bad Soden/Ts., Tel. +49-6196-228 49
www.ballett-badsoden.de
Bamberg
Tanzwerkstatt
Stätte für Zeitgenössischen Tanz. Nürnberger Straße 108 k, D-96050...
Ovationen, fast eine halbe Stunde lang. Im Parkett: Vertreter aus Wirtschaft, Politik, die Hautevolee Russlands. Zuletzt verbeugt sich das Produktionsteam, auf seinen T-Shirts prangen das Porträt Kirill Serebrennikovs und der Slogan «Freiheit für den Regisseur». So endet ein denkwürdiger Abend am Moskauer Bolschoi-Theater, die mit außerordentlicher Spannung...
Dies ist ein sinnliches Skandalstück für sechs Damen, die statt Kleidern einfach nur Tattoo tragen und noch etwas weiter gehen, als es William Forsythe 1983 tat. Damals hat der Choreograf in «France/Dance» George Balanchines «Apollon musagète» zerlegt, jenen berühmten Halbstünder, der 1928 für die Ballets russes entstand und als Geburtsstunde der Neoklassik gilt....
