Bizarre Fassade
Kein Wendestück, gottlob. Torsten Händlers Premiere firmierte zwar zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Der neue Ballettdirektor des Theaters Plauen-Zwickau hat für seinen künstlerischen Einstand daraus aber nicht leichtfertig Kapital geschlagen. Er versteht jenen Umbruch eher als Wandel im Leben des Einzelnen: Wenden passieren einem permanent. Kein Heldenpathos um die friedliche Revolution, sondern Nachdenken über private Beziehungen, fast unabhängig vom gesellschaftlichen Event, ohne biedermeierliche Betulichkeit. «Das Haus» klassifiziert Händler süffisant als «Ein Wändestück».
Wasser tropft elektronisch, in grünem Dampf stehen je sechs Frauen und Männer in Reihe vor Manuela Geislers bizarrer Fassade als Dekoration. Nervös sich steigernde Musik von Philip Glass treibt die Menschen von ihr fort. Intensiven Tanz mit Sprüngen und Bodenrutschern sowie dichte Formationen, etwa eine Senkrechte, die sich zu beiden Seiten hin auflöst, setzt der Choreograf schon am Anfang ein. Ein magischer Indianer findet sich in der Personnage. Er betastet die Mauer und zieht daraus ein butzenkleines Häuschen mit Spitzdach vor. Hände wie Schlingpflanzen flattern zu beiden Seiten auf; die Wohnstatt eines ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Yvonne Georgi, 1903-1975, der Ausdruckstänzerin mit bewegter, kosmopolitischer Biografie und bekanntesten Schülerin Mary Wigmans, ist eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover gewidmet. Zu sehen sind zum größten Teil unveröffentlichte Fotos, Theaterprogramme, Rezensionen, persönliche Zeugnisse und Kostüme aus den 1930er Jahren u. a. aus dem Nachlass der...
Sahra Huby hat den innerhalb der euro-scene Leipzig ausgetragenen Wettbewerb «Das beste deutsche Tanzsolo» gewonnen. Die Münchnerin zeigte in «Elephantengedächtnis» auf dem traditionell runden Tisch einen an Körper und Seele verletzten Menschen, der mit Hilfe von Krücken versucht, sich den Normen der Gesellschaft neu zu stellen. Der zweite Preis ging an Paloma...
Klingt paradox: Ein Lateinamerikaner rekonstruiert deutschen Ausdruckstanz. Aber schon in seiner Ausbildung in Quito lernte der Tänzer aus Ecuador Mary Wigmans Namen kennen. Den Elementen des modernen deutschen Tanzes wollte er auf die Spur kommen, beschäftigte sich nach dem Studium bei P.A.R.T.S. in Brüssel als Residenzchoreograf am K3-Zentrum in Hamburg mit...
