Stichprobe: ein Opernprojekt
Spät singt er, doch er singt. Erst als er Penelope endlich nach zwanzigjähriger Irrfahrt gegenübertritt, findet Odysseus seine Stimme wieder. Die ganze «Odyssee» über verschlägt es ihm die Sprache. Statt seiner agieren acht Tänzer. Die Tänzer sind «eine Art Resonanzkörper», sagt Reinhild Hoffmann, die das Stück «Ein Atemzug» von Isabel Mundry an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt hat.
«Ein Atemzug» ist über Jahre hinweg in enger Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten entstanden – als eine «Choreografie der Klänge», die sich nicht im Orchestergraben oder auf der Bühne erschöpft, sondern auch Logen und Ränge als Aktionsorte erschließt. Von überall her ertönt Musik, und weil sich Penelope inmitten des Publikums positioniert, gewinnt ihr Atem, einzig und allein von einem Akkordeonspieler begleitet, geradezu physische Präsenz.
Zum Raum wird so Musik, und Reinhild Hoffmann füllt ihn auf choreografische Weise. Das Meer: ein paar wogende Tänzer auf einer bis zur Brandmauer aufgerissenen Bühne. Die Freier, die Penelope bedrängen: ein Ensemble grotesk vermummter Gestalten, die ihr Macho-Gehabe auf einer Rampe gestisch ausspielen.
Die Begegnung mit den Lotophagen, die Zeit mit Kirke, der ...
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Trance und Ekstase sind für uns Kontrollverluste. Für Burkhard Gladigow in seinem soeben erschienenen Buch «Religionswissenschaft als Kulturwissenschaft» (Kohlhammer) ist Trance eine Besessenheit von außen. Ekstase dagegen ein Heraustreten nach außen. In Trance gerät man etwa durch einen Dämon.
Dieser Wahn mag noch an eine überwundene Form archaischer Religiosität...
Ganz Zagreb ist ein Wohnzimmer
Kein unbedachter Winkel, der nicht möbliert ist mit Schirmen und Sesseln, Theken und Tischen. Jede Straße rund um den Hauptplatz Jelacic ist besiedelt von Cafés voll gewaltigem Geplauder. Jeder kennt jeden. Ein Steinwurf entfernt, in der Ilica 10, entsteht gerade das erste kroatische Tanzhaus, das die Architektengruppe 3LHD im Kino...
Menschen, die unser Theater neu entdecken, nennen uns Beat Le Mot, ganz einfach aus Höflichkeit, weil man neue Bekannte mit dem Nachnamen anredet. Wir nennen uns Showcase, und Showcase sagt, so kann es nicht weitergehen.
Alle wissen immer was als nächstes passiert. Die Autoren schreiben, worum es geht. Die Beleuchter erklären, wo es geht, die Tontechniker erklären,...
