Jenseits
Kaamos ist die finsterste Zeit in Nordfinnland. Die Sonne ist hinter dem Horizont versunken, bis Mitte Januar schläft Lappland in blauem Dämmerlicht. Wenn in Oulu viel Schnee liegt, sind die Nächte heller als die Tage, denen der Mond sein fahles Licht nicht schenkt. Pflanzen und Tieren ist das egal. Aber der Mensch kann schlecht leben ohne Licht. Körper und Seele erstarren, Schlafrhythmus und Essgewohnheiten geraten durcheinander. Da flüchten manche wie die Zugvögel ans Mittelmeer, wenigstens für zwei Wochen. Aber schon auf dem Heimflug kehrt die Beschwernis zurück.
Die düstere Alte mit dem Lastkarren voller strenger Gedanken und unnützer Sorgen. Die Polarnachtdepression. Alle Finnen kennen sie. Bei den meisten kriecht sie eine Zeit lang unter, trinkfest und übellaunig, bis der Gastgeber sich eine Philips-Brightlight-Lampe kauft. Pirjo Yli-Maunula hat eine andere Idee: Die Choreografin und Tänzerin aus Oulu bietet der finnischen Dunkelheit einen Handel an. Aus ihrer Hexe Melancholie macht sie die tragikomische Hauptfigur einer lakonischen Winterreise durch die «Kaamos».
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Jeder Künstler kehrt irgendwann zurück zu seinen Wurzeln. Jahre-, jahrzehntelang produziert man für den Publikumsgeschmack oder den der Förderer und öffentlichen Geldgeber. Man bestätigt Erwartungen, die man selbst geschürt hat. Hinterfragt auch nicht mehr plakative Pauschalurteile, sondern reproduziert sie geflissentlich. Never change a winning style? Aber...
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Warum heißt das jetzt im Januar startende Berliner Weiterbildungsangebot für Tänzer, Tanzpädagogen und Lehrer «Seneca»?
Weil der römische Seneca, soweit wir ihn bisher gelesen haben, ein guter Pädagoge gewesen sein muss. «Je mehr wir in uns aufnehmen, umso größer wird unser geistiges Fassungsvermögen» – das stammt von ihm.
Er war Stoiker und glänzte nicht durch...
