Stichprobe: Das Mariinsky-Ballett
Die Russen kommen, die Russen kommen! Kein Jahr vergeht, ohne dass das Mariinsky-Ballett St. Petersburg seine eigene «Saison» im Großen Festspielhaus Baden-Baden bestreitet. Doch Gefahr, die Gastspieltätigkeit könnte sich eines Tages erübrigen, besteht nicht.
So lange selbst Kritiker namhafter Tageszeitungen allen Ernstes von einer «Schwanensee»-Ballerina behaupten, dass sie locker dreißig statt der geforderten 22 Fouettés dreht, kommt dem Kulturtransfer von der Newa an die Oos eine Bedeutung zu, die nicht hoch genug zu veranschlagen ist – sozusagen als Nachhilfeunterricht in Sachen Klassik. Ganz abgesehen davon, dass sich die Kunst des einstigen Kirow-Balletts längst nicht mehr bloß in der Bewahrung des Bewährten erschöpft. Mindestens ebenso lust- und kunstvoll kümmert sich die sichtlich verjüngte Kompanie auch um ein zeitgemäßeres Repertoire, das inzwischen von einer kompletten Balanchine-Retro über einen Abend mit Neumeier-Kreationen bis hin zu einem programmatischen Forsythe-Programm reicht.
Apropos Balanchine: Klar, dass das Mariinsky-Theater seine Baden-Baden-Gala nicht eben unironisch mit «Le fils prodigue» eröffnet. Schließlich ist Georgi Melitonovich Balanchivadze so ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Graz war 2003 Kulturhauptstadt. Nun steht die zweitgrößte Stadt Österreichs vor der Pleite. Trotzdem soll ein Tanzhaus entstehen. Ungeachtet eines Schuldenbergs von rund 700 Millionen Euro. Aber das lokale Tanznetz Steiermark ist optimistisch. Das Tanz-Haus wird auch eher eine Tanz-Etage, 320 qm groß, in einem Palais mit zwei Ballettsälen und zwei Studios sein. Das...
Ein schwarzes Loch gähnt auf der Bühne der Halle G des Wiener Tanzquartiers, eine Black Box als Überbleibsel des Stücks «Quando l’uomo principale è una donna» von Jan Fabre, in dem die Tänzerin Lisbeth Gruwez sich wenige Tage zuvor wie eine heiß gelaufene Ölsardine in kaltgepresster Olivenschmiere gewälzt hat. Gruwez ist bereits weiter nach Barcelona gereist....
Wohl in keinem anderen Land sind sich die Welten der Kunst und der Wirtschaft traditionell so spinnefeind wie in Frankreich. Hier verbringen Künstler den größten Teil ihrer Zeit damit, sich durch den Dschungel der Subventionstöpfe und Formulare zu kämpfen. So haben sie vor allem erlernt, sich in einer Sprache anzubieten, die in den Ohren der Kulturinspektoren des...
