newcomer: johanna chemnitz
Ein nackter Raum im Ballhaus Ost in Berlin. Vier Scheinwerfer bedrängen die Tänzerin wie in einem Käfig. Ihre im Stakkato blinzelnden Augenlider feuern zurück. Die Füße stehen ruhig auf den Dachbodendielen. Von den Lidern wandern rhythmische Schläge durch ihren starken Körper. Zu schnellen Lounge-Beats von Peter Rehberg beißt ihr Blick. Sie ist das eingesperrte Wild. Vorsichtig auf allen dreien hebt sie eine vor Kraft strotzende Tatze in den Raum. Sie ist, wie ihr Solo heißt, ein «Soft Target», das weiche
Ziel der Augen.
Mit der Isländerin Margrét Sara Gudjónsdóttir enwickelte sie diese hypnotisierende Projektionsfläche der Selbstbeherrschung. Keine Bewegung verhuscht, weil sie «nettes Tanzen» hasst.
Jeder ihrer muskulösen Schritte wirkt wie bei einem Tier: kräftig, überlegt, zielgerichtet, vorsichtig. Schon bei ihrer Ausbildung an der Tanzakademie in Arnheim lernte sie, dass mit bloßer Dekonstruktion der Körper eine Katastrophe wird. Er zerzaust, wie zuletzt bei den «Berliner Tanztagen» in ihrem Duett «Dishevelled» mit Sonja Pregrad. Diesen ausgestellten, von der Bühne gefangenen, choreografisch zerstückelten Körper näht sie wieder zusammen. Entschieden reckt sie den Kopf in die ...
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– dieses Versprechen macht derzeit die Hayward Gallery im Londoner Southbank Centre noch bis zum 9. Januar nächsten Jahres. Der Besucher dieser Ausstellung wird interaktiv durch Installationen unter anderem von Simone Forti, William Forsythe und Trisha Brown bewegt, zeitgleich durchschreitet er fünfzig aufregende Jahre Tanzgeschichte. «Schaust du noch, oder tanzt...
«Angelus Novus» hat Paul Klee sein Aquarell genannt, das 1920 in Weimar entstand. Bis zu seinem selbst gewählten Tod hat es Walter Benjamin begleitet, der das Bild in seinem Buch «Über den Begriff der Geschichte» so beschreibt: «Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat...
Die britische Choreografin Keely Garfield liebt, wie könnte es anders sein, schwarzen Humor. Den hat sie sich auch in New York bewahrt, wo sie seit über zwanzig Jahren lebt. Ihre rasanten, oft von biografischen Ereignissen inspirierten Stücke wurden denn schon mal als «sinister slapstick» bezeichnet. Der deutsche Regisseur Marcus Behrens hat sich von zwei Arbeiten...
