Diary of a leap year
Das letzte Schaltjahr oder Leap Year war 2016. Der Libanonkrieg fand 2006 statt. Zehn Jahre lang, von der Bombardierung Beiruts am 12. Juli 2006 durch die israelische Armee bis zum 31. Oktober 2016, dem Tag, an dem der Libanon wieder einen Präsidenten hatte, führte Rabih Mroué ein recht eigenartiges Tagebuch. Der bald darauf nach Berlin emigrierte Choreograf, Künstler, Autor, Filmemacher, Regisseur schnitt jeden Tag ein Bilddetail aus den Zeitungen seines Heimatlandes aus, eine Figur, ein Auto, die Wolkenspur einer Rakete, Schiffe, die wegen der Seeblockade im Hafen blieben, einen Panzer.
Jeden Tag sammelte er das fotografische, für die Tagespresse gerasterte Echo eines Krieges, aus dem er wie aus «einem Schutthaufen des Bombardements» (Mroué) kleine Fundstücke schnitt und jedes auf eine weiße, leere Papierfläche klebte. So löste Rabih Mroué (tanz 6/17) den Krieg aus seinem Kontext und nahm der Fotografie ihre propagandistische Macht. 2016 bündelte er die Sammlung in einem Buch, dem «Diary of a Leap Year» auf halbtransparentem Papier ohne Seitenzahlen. Hinter jedem Motiv schimmert darin das nächste hervor. In der Ausstellung, die zuerst in einer Werkschau seiner Galeristin Andrée ...
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Tanz Mai 2018
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
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