François Chaignaud, Cecilia Bengolea als «Sylphiden», Foto: Donatien Veismann
François Chaignaud, Cecilia Bengolea
Warum gehören Cecilia Bengolea und François Chaignaud hierher, die doch frech alles an Tanzstilen zusammenrühren, was auf Straßen und in Clubs nicht bei drei in der Versenkung verschwunden ist? Genau deshalb, weil das im französischen Lyon beheimatete Choreografenduo einfallsreich durcheinander mixt, was scheinbar gar nicht zusammengehören kann – und weil die beiden einen daran erinnern, dass Bühnentanz zunächst einmal etwas mit schierer, purer Energie zu tun hat. Und mit Spaß.
Man möchte mitmachen, wenn man die wilden choreografischen Mischungen sieht, mindestens aber danach zuhause durch die Wohnung hüpfen, wackeln, zucken.
Bengolea und Chaignaud machen augenfällig, dass ein tanzender Mensch anderen tanzenden Menschen immer nahe ist, mögen Technik (oder auch: keine Technik), Textur, Ausstrahlung, Stimmung der Bewegungen auch ganz unterschiedlich sein. Tanz ist bei ihnen ein Menschenrecht, eine Notwendigkeit, ein Füllhorn voller Überraschungen auch. Cecilia Bengolea hat unter anderem Tanzanthropologie studiert, Chaignaud ist zunächst in eine ganz traditionelle Ausbildung gestartet. Aber egal, ob jemand gelernt hat, auf Spitzenschuhen zu stehen und sich atemberaubend zu drehen, oder ob er einfach enthusiastisch alle Rundungen seines Körpers schüttelt – die beiden Choreografen bauen keine Mauern und keine Hierarchien auf. Sie stellen zum Beispiel jamaikanische Dancehall Moves neben artige höfische Tanzbewegungen. Eine tiefere Bedeutung wird dabei nicht erzwungen. Es genügt, dass die Welt in Bewegung gerät. Cecilia Bengolea und François Chaignaud besinnen sich auf die Wurzeln und führen gleichzeitig in die Zukunft.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 169
von Sylvia Staude
Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich hatte da nur ein paar Fragen...
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