Marco Goecke mit «Shakespeare made in Leipzig»
Shakespeare lässt die Liebe sprechen, und Marco Goecke gibt ihr Gestalt: Kaum sichtbar, scheinen Marietta Kro und Martin Chaix ganz Emotion. Die eingeschwärzte Bühne ist erfüllt vom Klang ihrer Körper und von Geräuschen – eine Insel, wie sie Caliban im «Sturm» beschreibt: unerklärlich und von einer Sinnlichkeit, die jeder Schilderung spottet. Schwer zu sagen, was eigentlich geschieht. Während das Publikum noch den Sonetten Shakespeares lauscht, sieht es sich einbezogen in eine Welt, die bis zuletzt ihr Geheimnis wahrt und ihm trotzdem vertraut erscheint.
Wunderkerzen brennen ab, und in ihrem «Schattenschein» zerflattern Arme, Hände und Füße, als ob sie sich letztlich lösen wollten vom Leib. «Traum, Vision, Helligkeit und Dunkel, Liebe und Verzweiflung sowie Elemente aus Shakespeares Alltag bilden die Grundstimmung für ‹Sonett›», heißt es dazu im Programmheft, und Nachtmahren gleich geistern die Tänzer durch ein Stück, das Shakespeare beim Wort nimmt, ohne seine Texte jemals zu illustrieren.
Insofern hat der Haus-Choreograf des Stuttgarter Balletts mit seinem «Sonett» für das Leipziger Ballett die «Carte blanche» des Direktors wirklich angenommen und einen «Shakespeare» kreiert, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Choreograf des Centre chorégraphique national in Aix-en-Provence ist angeklagt, in vierzehn Jahren und 453 Aufführungen durchschnittlich 675 Euro pro Aufführung an Tantiemen für Interpreten hinterzogen zu haben. Zuzüglich Zinsen, Strafgebühren und Steuern ergibt das laut Spedidam schlappe 473 000 Euro, oder zehn Prozent des aktuellen Jahresbudgets. Wer ist hier...
In stetem Wandel begriffen scheint das Linzer Landestheater. Nach zeitgenössischem Tanz und neoklassizistischem Ballett hat es sich nun bei moderater Moderne eingependelt. Mit dem Intendanten Rainer Mennicken kamen Jochen Ulrich und ein Ensemble, in dem die Männer deutlich besser sind als sind die Frauen. Die erste Uraufführung, Lorenzaccio nach der Vorlage von...
Dieses Haus hatte ein Wohnzimmer und einen Garten. Ein Untergeschoss hatte es nicht. Es war wohl auf Sand gebaut. Jetzt sieht es aus wie sein eigener Keller. Wie nach einem Erdrutsch ist es eine halbe Etage nach unten gesackt. Durch Fenster und Türen dringt das Erdreich. Und oben im Garten sitzt noch immer der Großvater unter seiner Birke, deren Wurzeln nun durch...
