halle: messias
Der Stoff, aus dem die Träume sind? Am Ende der Vorstellung greifen die Tänzer und Tänzerinnen jedenfalls nach etwas, das sich einem Zugriff eigentlich entzieht. Und wenn ihre Anstrengung auch kein Ergebnis zeitigt, signalisiert das poetische Bild doch so etwas wie Hoffnung, bevor der Vorhang fällt.
Insofern rundet sich ein Ballett-abend, den Ralf Rossa nicht zuletzt Händels «Messias» widmet, selbst wenn er zwischendurch ein paar Sätze aus einem «Messiah» des schwedischen Komponisten Sven-David Sandström zitiert und einiges aus dem Gospel-Album «Handel’s Messiah – A Soulful Celebration». Denn auch am Anfang geben sich die 22 Ensemblemitglieder des Ballett Rossa ganz privat, in unterschiedliches Grau gekleidet, aber mit schwarzem Schuhwerk. Dem Warm-up folgt während der «Sinfonia» eine Präsentation jedes Einzelnen, die fast etwas von einer Modenschau hat: ein Eindruck, den Thiago Fayad alsbald wieder verwischt, wenn er sein Solo zu einem Tenor-Accompagnato so improvisiert, als wäre ihm Händels Musik gleichsam in alle Glieder gefahren. Wie besessen tanzt er, und während man auf Englisch Worte von Jesaja hört, greifen ihm ungesteuert die eigenen Hände ins Gesicht, als könnten sie ...
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Tanz Juni 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 46
von Hartmut Regitz
Leilani Francos Beine stehen weit über ihrem Kopf. Der Fuß fuchtelt vor ihrem Gesicht wie eine störende Wespe. Natürlich kann so etwas nur eine klassische Kontorsionistin. Sie trifft auf Florian Zumkehr und Alexis Vigneault. Deren Körper flattern an einer Pole-Stange als «human flag» – nur mit einer Hand sich haltend. Aber niemand ruft «Ah» und «Oh». Wie ein Tier...
Der Choreograf Serge Lifar nannte sie «eine der größten Ballerinen aller Zeiten». Der Kritiker Walter Terry adelte sie zur «Callas des Balletts». Rudolf Nurejew gestand ihr, nachdem er sie als Kitri gesehen hatte: «Ich habe geschluchzt», denn «Sie haben ein Feuer auf der Bühne entzündet.» Die Schauspielerin Ingrid Bergman staunte: «Sie haben göttliche Hände.»...
hieß Jérôme Bels Inszenierung mit den Akteuren des Zürcher Theater Hora (tanz 7/12): ein Gipfelpunkt des «Theatertreffens 2013», samt Kampfaufruf: «disabling the theatre». Knappe zwanzig Jahre nach Entstehung solcher Mixed-Abled-Kompanien wie Candoco in England, DIN A 13 in Köln und eben dem 1993 ins Leben gerufenen Theater Hora, fragt Jérôme Bel stur Namen, Alter...
