würzburg: anna vita «der besuch der alten dame»
«Es gibt keine Schwägerinnen im Ballett», lautet Balanchines berühmtes Diktum, wie will Ballett dann die Käuflichkeit von Moral darstellen? Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie scheint vollkommen auf der Sprache zu beruhen: Mit der Aussicht auf Reichtum treibt die Millionärin Claire Zachanassian die braven Bürger ihres Heimatdorfs Güllen zum Mord an ihrem verräterischen Exgeliebten.
Auf einer winzigen Bühne macht die Würzburger Ballettdirektorin Anna Vita ein stringent erzähltes, bilderstarkes Kammerspiel daraus, bindet organisch Film, Sprache, Elemente von Groteske und Ausdruckstanz in ihren modernen Ballettstil ein.
Als Erstes rauscht der ICE quer durchs Theater – prägnant zeigen kurze Filmprojektionen auf den kubistisch angehauchten Wänden und Paneelen die Situation der Güllener und in einer Rückblende auch die Vorgeschichte, den fatalen Verrat. Die Bürger sind nicht wirklich arm, nur geltungsbedürftig; dem Jil-Sander-Beige ihrer Gutmenschen-Kleidung flammt das grelle Pink der Besucherin als modischer Aufschrei der Empörung entgegen (Kostüme: Kristopher Kempf). Mit asiatisch-höflicher Effektivität bringen zwei püppchenhafte Helferinnen der alten Dame den Dorfbewohnern das ...
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Tanz Februar 2013
Rubrik: kalender, Seite 46
von Angela Reinhardt
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