Natalia Bessmertnova

Ein Nachruf auf die First Lady des Bolshoi Balletts

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Natalia Bessmertnova war meine Lieblingsballerina. «Bessmertnova» heißt: die Unsterbliche. Trotzdem ist die am 19. Juli 1941 in Moskau geborene Primaballerina des Bolshoi mit 66 Jahren am 19. Februar 2008 gestorben.

Sie trug das Gesicht einer Ikone unter pechschwarzem, in der Mitte gescheiteltem Haar. Sie schaute aus riesigen und lebhaften Augen, stand auf unendlich langen Beinen, und ihre biegsamen Hände erinnerten an Lilien. Vergöttert wurde sie seit 1963 von drei großen russischen Ballettmeistern: Kasian Goleizovsky, Leonid Lavrovski und Yuri Grigorovich.

«Zur Hälfte Pavlova, zur Hälfte Spessiv-tseva», sagt Anton Dolin über die Giselle der Bessmertnova. Sie verkörperte auf der Bühne nahezu intuitiv das, worüber im 20. Jahrhundert Romane und philosophische und ästhetische Traktate geschrieben wurden. Der Sixtinischen Madonna Raffaels ähnlich, schwebten ihre Heldinnen vom Himmel auf die sündige Erde herab, um sich, nachdem sie den Kelch des Leidens bis zur Neige geleert hatten, mit weltabgewandtem Blick wieder in die wolkenlose Ferne emporzuschwingen.

Vergeblich versuchte man ihren herrlichen Wesen, die immer aus anderen Welten zu kommen schienen, mit Realem beizukommen. Jede ...

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