Jenseits

Tanzen mit dem dritten Auge. Zhang Yimou choreografiert atemberaubend «House Of Flying Daggers». Im Kino. Von Edith Boxberger

Tanz - Logo

Im Kino: Sie ist blind, und sie ist eine Tänzerin, die beste im Pavillon der Pfingstrose. Zwischen hohen Trommeln stehend, zeichnet sie mit den langen Ärmeln ihres Kleides die Wege zugeworfener Bohnen nach, in weichen Schwüngen zuerst, dann als peitschende Hiebe, bis sie in einem Furioso von Farben und Flugbahnen fast ganz verschwindet. Tatsächlich ist Mei, gespielt von Zhang Ziyi (Fotos Constantin Filmverleih), nicht blind, und sie ist keinswegs nur der Star des Tanzhauses, das noch etwas anderes ist: ein Rebellennest.

Die zarte, schöne Mei ist eine Meisterin der Kampfkunst, die den Tod ihres Vaters, eines Rebellenführers zu Zeiten der Tang-Dynastie, rächen will.
Virtuos und visuell atemraubend umkreist der chinesische Regisseur Zhang Yimou in House Of Flying Daggers die Geschichte einer Liebe, die aus den tödlichen Fronten zwischen Staatsmacht und Widerstand erwächst, Fragen um Spiel und Wirklichkeit, Loyalität und Verrat, Moderne und Widerstand. Noch im nahenden Untergang der Aufrührer beschwören magische Momente das Uneindeutige, wie beim erbitterten Kampf in den höchsten Bambuswipfeln, der als entrückter Tanz vollendeter Schwerelosigkeit zelebriert wird.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: Jenseits, Seite 78
von Edith Boxberger

Vergriffen
Weitere Beiträge
Hallo, Publikum!

Es macht nur noch bedingt Sinn, von Zeiten zu schwärmen, in denen es den Künsten besser ging – als der Bürger noch den Willen besaß, sich im aristokratischen Nachglanz des Balletts zu baden. Und den Tanz tatsächlich als sinnliches Bildungsgut zu begreifen. Doch die Mär von der Ökonomie ist längst überall eingezogen: Kultur wird nach Angebot und Nachfrage bewertet....

A stream of sharp lines

Choreographer Nanine Linning is known for her often strong compositions and striking lighting designs. Alongside her work with the Scapino Ballet Rotterdam she continues to produce choreographies with her own foundation, Pipsters, for smaller theatres, including 2003‘s performance “Karpp?“ for dancers Iris Reyes and Mirjam ter Linden. This powerful but delicate...

Bühne besetzt!

Ein schwar­zes Loch gähnt auf der Bühne der Halle G des Wiener Tanzquartiers, eine Black Box als Überbleibsel des Stücks «Quando l’uomo principale è una donna» von Jan Fabre, in dem die Tänzerin Lisbeth Gruwez sich wenige Tage zuvor wie eine heiß gelaufene Ölsardine in kaltgepresster Olivenschmiere gewälzt hat. Gruwez ist bereits weiter nach Barcelona gereist....