In Tüll gehüllt
Kein Wunder, dass die Schwäne heute Trauer tragen und dass ihnen auch nicht nach Spitzentanz zumute ist. Der Berner «Schwanensee» zeigt die stolzen Vögel mit zitternden Beinen und zuckenden, nackten Füßen. Weiße Tutus rahmen weibliche und männliche Schwanenhüften gleichermaßen, die Federn haften jedem am Kopf, als wären sie Indianern abgetrotzt, und auch mit schwarzem Tüll umhüllen sich zuweilen die geflügelten Wesen.
Dem Choreografen Stijn Celis geht es in seiner Version des Ballettklassikers nicht um erhabene Schönheit und Eleganz, sondern um beider Verlust und die Dekadenz einer überzivilisierten (höfischen) Gesellschaft.
Die Königin (Emma Murray) kommt als exzentrische Mutter daher, die ihre Wünsche, Befehle und Sehnsüchte in gekonnt spastischen Zappeltänzen auf virtuos wackligen Beinen zum Ausdruck bringt. Ihr Sohn, der zu verehelichende Siegfried (Erik Wagner), schwankt zwischen täppischer Unterwürfigkeit, quirliger Ungeduld, bleischwerer Trauer und beflügelter Verzauberung. Die heiratswilligen Prinzessinnen, allesamt zickige Tussis in kurzen Reifröcken (Kostüme: Catherine Voeffray), verschmäht der Thronfolger ges-tenreich. Stattdessen steigt er verliebt der schwermütigen ...
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Schamhaft sieht In-Jung Jun zu Boden. Sie fixiert eine Büchse, die sie wie eine Bettlerin vor sich gestellt hat. Und speit ihren Unmut aus: Münzen. Es kann einem übel werden: Wie keine andere Profession ist die künstlerische Existenz abhängig –von öffentlichen und privaten Geldgebern, von Veranstaltern und Produzenten, Publikum und Kritik. Der Tanz setzt dem...
Canadian dance maker Paul-André Fortier and Newcastle’s Dance City chose the Gateshead Millennium Bridge – a movable footbridge across the River Tyne, whose unique design allows tall ships to pass underneath by raising the footpath – to showcase the world premiere of “Solo 30x30.“ The live site-specific performance took place at 1 PM for 30 minutes and 30 days....
Es zündet der «Götterfunke». Wie der Vogel Phönix hebt sich das Béjart Ballet Lausanne aus der Asche seiner Vergangenheit und tanzt so, wie man es in Erinnerung hat: mit jugendlichem Impetus und einer Kraft, die keine Grenzen akzeptiert. «Alle Menschen werden Brüder» nennt Béjart seine Szene, die er Beethovens Neunter entlehnt.
Vor mehr als vierzig Jahre hat Béjart...
