Nicht von Racine
Caligula einmal anders. Nicht der römische Kaiser interessiert den Étoile der Pariser Opéra. Nicht der Mann, «den Wahnsinn, Verkommenheit und Größenwahn in die Tiefe ziehen». Nicolas Le Riche «untersucht das tiefste Innere einer wesentlich komplexeren und reicheren Persönlichkeit». Mehr noch: «Er enthüllt einen begeisterten Anhänger des Theaters und von Aufführungen, einen lebendig Gehäuteten, den die Krankheit so weit treibt, dass er selbst in seiner Zerstörungswut schöpferisch wirkt.
»
«À lire avant le spectacle», heißt es dazu im Programmbuch, das bei jeder passenden Gelegenheit Roland Barthes zitiert. Liest man die Erklärung nach der Aufführung, fühlt man sich ins falsche Stück versetzt. Denn da ist nichts oder doch nur sehr wenig, was einen an das Schicksal Caligulas erinnert. Mathieu Ganio entsteigt zwar wie ein Gott dem Bühnenhimmel des Palais Garnier, von dem Daniel Jeanneteau gerade mal ein paar Stufen sichtbar werden lässt. Doch nichts an ihm wirkt numinos. Alles Menschliche ist ihm fremd. Ganio, mit seinen 21 Jahren zweifellos einer der herausragenden Begabungen des Ensembles, bietet dem Choreografen zwar eine perfekte Projektionsfläche. Aber wenn es nichts zu ...
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Patricia Bardi is a dance artist, choreographer, vocalist and bodywork specialist. She maintains a private practice working with children and adults in Amsterdam. She is a founding member of the School for Body-Mind Centering (USA) and Chisenhale Dance Space, London. In 1987 she founded the Vocal Dance and Theater Project in Tuscany, Italy. Since 1992 she has...
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