vortex temporum
So sensibel. So unglaublich behutsam – man fürchtet fast, das feinstoffliche Gewebe, das sich dort auf der Bühne entspinnt, kann die grob-poltrige Realität einer Zuschauerschar kaum aushalten. «Vortex Temporum», ein «Zeitenstrudel», in den Tänzer und Musiker mit überwachen Sinnen, hoch empfindsamen Körpern gesogen werden, hin zu einem Verschwinden, zum Verlöschen des ganz wörtlich zu verstehenden Da-Seins, der Präsenz auf einer Theaterbühne.
Es scheint, als würde Anne Teresa De Keersmaeker derzeit mit jedem Stück zarter.
So überbrachte sie zuletzt in der großartigen «Partita 2», ihrem Duo mit dem französischen Choreografen Boris Charmatz, die humanis-tische Botschaft bereits ganz rein und doch fragil dosiert: ein Paar, das sich tanzend immer mehr findet, sich stützt, hält, trägt – spielerisch wie Kinder, fürsorglich wie zwei Versehrte. Und irgendwann in diesem perfekt einfachen Tanz zu Bachs Violin-Komposition treten die beiden ganz nah ans Publikum und berühren mit präzis choreografiertem Gebärdenspiel das eigene Gesicht: eine fortgetupfte Träne, das Wegpusten einer Wimper von der Fingerspitze, das sanfte Streichen über die Denkerfalte auf der Stirn. Eine so bezaubernde ...
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Tanz November 2013
Rubrik: produktionen, Seite 8
von Nicole Strecker
im dezember: verstehen_________
Das Zeichen kennt nicht jeder. In der Sprache der Gehörlosen stehen die beiden über dem Handteller kreisenden Finger für das Wort «Tanzen». Dass die Gebärdensprache auch Choreografen fasziniert, mag sein. Aber was, wenn Gehörlose selber tanzen wollen? Und was, wenn Blinde selbst ein Ballett sehen möchten? Wie ist der Umgang mit...
bedeutete zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, dass Tänzer und Choreografen versucht haben, außerhalb eines Opernhauses ihr Auskommen zu verdienen. In der Regel gelang das nur, indem sie ihren brüchigen, auf Tournee verdienten Ruhm in eigene Schulen investierten, wie das Mary Wigman und Gret Palucca taten, und wie es heute Anne Teresa De Keersmaeker in Belgien tut....
kinofilm_________
tanja liedtke
Ihr plötzlicher Unfalltod im Mai 2007, überfahren von einem Müllwagen, löste eine Schockwelle aus. Tanja Liedtke, soeben zur neuen Leiterin der Sydney Dance Company ernannt, galt mit ihren 29 Jahren als der Rising Star – bei gerade mal drei abendfüllenden Choreografien: «Twelfth Floor» (2004) sowie «Construct» und «Imploded» (2007).
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