Wahllos
Wer sich am Ende eines Spiels Sieger nennen darf, ist keine ausgemachte Sache. Wahllos nennt Martin Stiefermann darum seine letzte Koproduktion von MS Schrittmacher und Oldenburgisches Staatstheater – und will damit sagen, dass wir alle einem permanenten Ausschlussverfahren unterliegen. Stellvertretend für uns agieren die Tänzer, die sich an der Stirnwand von Dock 11 Berlin zunächst auffällig unauffällig geben. Erst mit der Musik – Glenn Brancas drängende Symphony No.
6 Devils Chorus on Heavens Door – lassen sie sich auf ein Spiel ein, voller Stolpersteine. Ein Karree aus Kiesel hat Stiefermann konstruiert: als ein gefährliches Pflaster. Die Tänzer schmeißen sich wahllos hinein, gehen sich an die Gurgel oder reißen sich gegenseitig die Beine weg, ohne ein Mindestmaß an Attraktivität aufzugeben. Manchmal scheint der Gedanke nicht so ganz abwegig, es handele sich bei der Performance um eine perfid pervertierte Modenschau. Verkauft wird schließlich immer, und wenn es nicht schicke Kleider sind, dann eben die Menschen, die sich hier vor zahlendem Publikum im Staub wälzen. Deutschland braucht Superstars, und wenn‘s nur für die Dauer von einer Stunde ist. Laura Caldow, Nicole van Gent, ...
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Hat in der Philosophie die Missachtung des Körpers – propagiert von Descartes über Leibniz bis Wolff – ein Ende? Öffnen sich die Denker, die an der Verlässlichkeit sinnlicher Wahrnehmung zweifeln, wieder leiblicher Erfahrung, um den zentralen Zielen der Philosophie – Wissen, Selbsterkenntnis, richtiges Handeln, gutes Leben – mit der Ganzheit von Körper und Geist...
Carlos Saura hat einen neuen Film gedreht. Der Drehort ist die Bühne, dort, wo seine jahrelange Beschäftigung mit Flamenco – «Carmen» (1983), «Sevillanas» (1992) und «Flamenco» (1992) – wohl auch enden musste. Bis dahin war Flamenco für Saura eine Kunst der Fiktion. In «Carmen» ließ er den einen Choreografen mimenden Antonio Gades an der erotischen Wirklichkeit...
Bevor Marcia Breuer diese Frage stellen kann, muss man erst einmal Platz schaffen für eins der «bewegendsten» Bücher der letzten Zeit. Ganze dreizehn Meter lang ist das Leporello. Schlägt man allein die 53 Außenseiten des Buchs auf, stößt man auf Aussagen von Reid Anderson, Bridget Breiner, Robert Conn, Eric Gauthier, Marco Goecke, Yseult Lendvai, Christian Spuck –...
