Forever young
Es ist ein gutes Zeichen und ein schlechtes. Der zeitgenössische Tanz entwickelt Geschichtsbewusstsein und bemüht sich nun ebenfalls, das eine oder andere Werk als «Klassiker» ins Repertoire zu vermitteln. Was dem Ballett recht ist, darf ihm billig sein. Doch Hinwendung zur Vergangenheit bedeutet auch ein wenig Zweifel an der Zukunft. Denn es geht nicht recht vorwärts im Tanz. Schauen wir darum zurück?
Das Wörterbuch nennt zu Überlieferung «überlieferte Sitten, Gebräuche, Formen». Was auf ein traditionelles, hierarchisches System verweist.
Der Meister und sein Schüler. Im indischen Modell etwa ist der Guru ein Lehrer in der Kunst der Existenz. Was bereits weit über die Körpertechnik hinausreicht. Wie einst bei Maureen Fleming, die, um sich seine Weisheit einzuverleiben, Kazuo Ohno fütterte, weil der Meister etwas schwächlich war. So brüderlich und schwesterlich geschieht hier Überliefern, wenn der ursprüngliche Interpret und/oder Choreograf entscheidet, dass es an der Zeit ist. Dann sucht er sich den Erben, le dépositaire, den Empfänger.
Und geht ins Studio. Der Wunsch, das Begehren, die Initiative gehen vom «Meister» aus. Der titulaire, der rechtmäßige Inhaber des Stücks kann, ...
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Sylvie Guillem, Sie haben sich beim Publikum mit einem herzlichen, fast erstaunten Lächeln bedankt. Überrascht Sie der Zuspruch, den ein zeitgenössischer Abend findet? Die Reaktion des Publikums berührt mich immer. Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich dem Publikum etwas geben: eine Vision, einen einzigartigen Moment. Die Reaktion darauf zu erleben, ist für mich...
hat felsenfeste Positionen zementiert: dass Frauen gleich viel verdienen, gleich hart arbeiten, gleiche Chancen besitzen und bei der Erziehung der Kinder nur noch gleichen Anteil nehmen müssen wie die Männer. Wie auch immer die Gleichheit in Wirklichkeit aussieht – diese Gleichheit kommt als so verbindlich daher, dass es völlig egal ist, ob Gleichheit wirklich...
Das Beste zuerst. Halb nackt hebt Cynthia Loemij den Arm, kaum dass Taka Shamoto vorüberhuschend im Dunkel wieder verschwunden ist. Leer ist das Théâtre de la Monnaie. Keine Weintraube scheint zur Hand. Nicht ein einziger Ton erklingt. Und doch ist dieser «Nachmittag eines Fauns», der den «Abend eines Tages» präludiert, erfüllt von einer inneren Musik – und jede...
