Herzliches Beileid
Herzliches Beileid flötet die Nachbarin, kaum ist der Sitzplatz in der Orangerie von Schloss Sanssouci gefunden. Noch ehe ich der Kondolenz auf den Grund gehen kann, weist ihre Hand auf die Reihe vor uns. Da, genau in der Sichtachse, sitzt eine schwarzhaarige Dame mit – ungelogen! – mindestens 60 Zentimeter hoher Turmfrisur. Sehr unwahrscheinlich, dass ich angesichts dieses Kopfputzes überhaupt etwas zu sehen kriege von dem Barockspektakel, das hier gleich stattfinden wird.
Bleibt nur die Möglichkeit, rechts oder links an dem Aufbau vorbeizulinsen, um zumindest ein paar Eindrücke zu erhaschen. In der Pause kann ich mir nicht verkneifen, die megatoupierte Besucherin anzusprechen: «Pardon, darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Ihre Haartracht das Theatervergnügen für die Hintermänner und -frauen optisch beeinträchtigt?» Grollend rollende Augen, dann die Antwort: «Ist ja wohl nicht mein Problem.»
Okay, im Berliner Einzugsgebiet ist der Umgangston bekanntlich rau. Aber man kommt nicht umhin festzustellen, dass der Benimm in deutschen Theatersälen generell schon mal besser war. Von wegen Gemeinschaftsgefühl im Parkett: Nicht wenige Besucher betrachten den Kauf eines Tickets ...
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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Dorion Weickmann
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