Eine geniale Idee

Tanz - Logo

Joint Adventures in München riefen auf, in nur 60 Sekunden, im Format des Werbeclips, ein «Choreographic Capture» zu filmen. Derzeit zeigen viele Kinos die Gewinner in ihrem Reklameblock. Man sieht den 1. Preis: Anna Dubrovkas «Rush». Ein paar Männer toben im Büro, wie von Lloyd Newson mit seiner DV8 in den 1980ern gefilmt. 2. Preis: Philippe Saire zeigt  einen schwarzen Mann, der gern Autoscooter fährt und einen Anzugträger in Weiß bedrängt. Die 3. Preise ... Aufhören? Nein, ein guter Clip ist schon dabei: Alex Reubens «Que Pasa».

Die streng schwarz-weiße Silhouette von Louise James tanzt zu Klavier und Jazz-Percussion fantas­tische Figuren aufs Zelluloid. Nur diese, die einfachste Idee, ist capturing, nimmt gefangen. Das ist die Kunst der 60' – mach mich an und gewinn die Kinogänger für den Tanz. Alle kennen die Motorola-Reklame, das aggressive Tanzpaar, das in der U-Bahn mit Razr-Handys kämpft. Da liegt die Latte. Im Kinosessel denken die jetzt: Wie unfrisch der Tanz ist, wie gedanken­los, wie unwitzig. War das gewollt?
 

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2008
Rubrik: Boulevard, Seite 28
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Engel

Engel, gibt es die? Der rumänische Philosoph Andrei Plesu hat noch keinen gesehen. «Ich habe kein Organ für Erscheinungen», schreibt er in seinem Buch «Das Schweigen der Engel». Er bräuchte dieses Organ auch nicht, würde er dem Tanzquartier Wien Glauben schenken: Engel weilen unter bürgerlichem Namen völlig unerkannt und ungeflügelt unter uns. Nur zu Weihnachten...

Tänzer unter der Zirkuskuppel

Was, Sie kennen Johann Le Guillerm nicht? James Thiérrée, Zimmermann & de Perrot? Dabei sind sie die neuen Söhne der Sägespäne, die Retter der europäischen Festivalidee, der Neue Zirkus ohne Zelt und Adel. Als die alte Tante Avignon vor ein paar Jahren schrecklich ächzte unter der Last der Gründerträume, die längst elitäre Bürgerpflicht geworden waren, was tat sie...

Der Zuschauer

Der Zuschauer ist das unbekannte Wesen. Wo jeder Tanzkritiker draufhaut, weil er «Fernsehballett» und eine «Ästhetik des Netten und Niedlichen» sieht, da geht der Zuschauer erst recht hin. Aus Trotz. Weil er recht haben will. Wenn nötig, sammelt er sogar Unterschriften und zieht vor den Petitionsausschuss des Hessischen Landtags. In Wiesbaden, der hessischen...