Schlag nach bei Schiller
Ein handfester Skandal zur Premiere oder schlicht und einfach das Prädikat: durchgefallen – das muss für eine Oper bekanntermaßen noch nicht die Versenkung im Orkus der Geschichte bedeuten. Siehe «Butterfly» und «Traviata» – eine kleine Änderung hier, eine andere Besetzung dort, und schon hatten Publikum und Geschichte ein Einsehen. Manchmal kommt der Erfolg aber auch erst sehr viel später – etwa bei Donizettis Königinnendrama «Maria Stuarda».
Die Entstehungsgeschichte ist ein Krimi für sich: 1834 die Umarbeitung des ersten Fassung sehr frei nach Schiller zum politisch unverfänglichen «Buondelmonte», in dem keine gekrönten Häupter streiten und enthauptet werden, schließlich 1835 die Uraufführung als «Maria Stuarda» an der Scala – die peinlich durchfällt, da die regierende Primadonna Maria Malibran aus Angst vor einer Konventionalstrafe mit schwerer Indisposition in der Titelrolle versagt. Danach wurde es sehr ruhig um das Werk, das als klarer Markstein auf dem Weg zum Personalstil Donizettis noch vor der «Lucia» viel Beachtung verdient gehabt hätte. Erst Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts fanden Aufführungen mit Leyla Gencer und Shirley Verrett in den ...
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Als Philip Glass 1976 mit «Einstein on the Beach» die Minimal-Music-Ästhetik in das Musiktheater einbrachte, fiel in deutschen Landen kaum auf, dass der Titel keineswegs bedeutet «Einstein am Strand», sondern so viel wie «Einstein auf der Kippe». Das war insofern bezeichnend, als Einsteins Relativitätstheorie bei Glass nichts mehr zu tun hat mit der ethischen...
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Sowohl im Schauspiel als auch in der Oper verwendet Klaus Michael Grüber gern Ironie. Das ist bei «Boris Godunow» in Brüssel nicht anders. Am Schluss der Oper, wenn in die selten gespielte Szene im Wald von Kromy der falsche Zar Dmitri platzt, kann man ein Lachen kaum unterdrücken: Dmitri trägt den blechernen Spielzeug-Harnisch eines Ritters und einen ebenso...
