Editorial Dezember 2010
Berlins Opernhäuser machen wieder einmal von sich reden. Weniger, weil sie zuletzt auf künstlerischem Gebiet für Begeisterung gesorgt hätten, sondern weil die Musiker an zwei der drei großen Bühnen Aufführungen bestreikten. Mal fanden die Ballett-Fans an der Deutschen Oper nach der Pause einer «Schwanensee»-Vorstellung den Orchestergraben leer. Mal sah sich das Publikum der Komischen Oper gezwungen, einen «Orlando» zur Hälfte mit Klavierbegleitung zu verfolgen.
Nur die Staatskapelle spielte nach Plan – aus gutem Grund: Immer wieder war es Daniel Barenboim gelungen, für «sein» Orchester Konditionen durchzusetzen, von denen die anderen nur träumen können. Mit dem Ergebnis, dass an der Lindenoper inzwischen die mit Abstand höchsten Gehälter gezahlt werden.
So wendet die Staatsoper im Schnitt für jedes Mitglied der Staatskapelle monatlich 6000 Euro brutto auf. An der Deutschen Oper verdienen die Musiker durchschnittlich 4900 Euro brutto, an der Komischen Oper 4400 Euro. Wobei die Vergütung eines Solisten deutlich über, die eines Tuttisten deutlich unter diesem Niveau liegen kann. Während der Etat der Staatskapelle – auf Wunsch des Bundeskanzleramtes und mit Zustimmung des Landes Berlin ...
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