Ein Meyerbeer für unsere Zeit
Der Vorgang ist von bezwingender Wirkung. Er ereignet sich im vierten Akt, der am Vorabend der «Bartholomäusnacht» spielt. Zehntausende Protestanten (= Hugenotten) fielen 1572 einem vom katholischen Königshaus gesteuerten Mordkomplott zum Opfer. Wenn der versammelte Pariser Mob – von fanatischen Mönchen auf die Bluttat als «heilige Sache» eingeschworen – in der Brüssler Aufführung seine Entschlossenheit zum Glaubenskrieg bekräftigt, drehen die Mörder Kreuze, die sie in ihren Händen halten, und ergreifen sie vom anderen Ende her. Eine synchrone Bewegung.
Plötzlich haben sich die Kreuze in emporgereckte Schwerter verwandelt: ein veritabler «coup de théâtre» (zumal er mit der musikalischen Klimax der Massenszene zusammenfällt) und doch weit mehr als das. Dass das Symbol des christlichen Glaubens mit dem des Krieges vertauscht wird – und zwar in einer Weise, die beide als Kehrseiten derselben Medaille kenntlich macht – verdichtet «Les Huguenots» in einem szenischen Bild von schockierender Ausdruckskraft. Gefühl und Verstand sind gleichermaßen bewegt. Es ist einer der zahlreichen Augenblicke dieser Inszenierung, die exemplarisch deutlich machen, was Musiktheater-Regie heute leisten kann ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Sieghart Döhring
Warum spielen wir uns Komödien und Tragödien vor? Um das Leben besser zu verstehen. Und um es ein wenig erträglicher zu machen. All die Dramen von Lust und Leid, Gewalt und Leidenschaft, Mord und Totschlag, die uns in Atem halten, seit der Mensch die Schöpfung aufmischt. Christoph Nix erzählt diese Geschichte gern. Er hat sie vermutlich schon oft erzählt. Damit man...
Eigentlich ist die Geschichte zu grotesk, um glaubwürdig zu sein. Gerade beginnen sich die Alliierten im Zweiten Weltkrieg durchzusetzen, dämmert es allen Beteiligten, dass Hitlers Traum vom Tausendjährigen Reich nicht mehr war als eine aberwitzig-grausame Selbstüberhöhung, da entscheidet sich der lettische Komponist und Dirigent Bruno Skulte, zu dieser Zeit...
Die Münchner Sonntagskonzerte, 1952 vom Bayerischen Rundfunk ins Leben gerufen und anfangs ganz der leichten Muse gewidmet, entwickelten sich in den 60er-Jahren zu einem Festival großer Opernstimmen. Als Schüler habe ich kaum eine der Sendungen verpasst, in denen auch einige Sänger mitwirkten, von denen es keine Schallplattenaufnahmen gibt und die heute fast oder...
