Editorial
Was ist eigentlich ein «Traumpaar»? Anna Netrebko und Rolando Villazón sollen eines sein, meint die Plattenfirma, die mit beiden Umsatz machen will. Nachdem eine Open-Air-Tournee der beiden modifiziert werden musste, weil Villazón sich vorher übernommen hatte und mehrere Monate gar nicht singt, wird auch für den naiven Klassikfreund deutlich, was für ein enormer Vermarktungsdruck hinter einem scheinbar so harmlosen Begriff wie «Traumpaar» steckt. Auch Netrebko war gesundheitlich angeschlagen, hatte Auftritte vor der Tournee abgesagt.
Klar: Auf zwei Konzerte in Salzburg lässt sich leichter verzichten als auf die Masseneinnahmen von Massenveranstaltungen. PR-Strategen bringt so etwas natürlich nicht in Verlegenheit: «Drei Tenöre für Anna Netrebko» hieß flugs der neue Slogan, weil es keinen Villazón-Ersatz gab, der an allen Terminen frei war.
Der Begriff vom «Traumpaar» geht über künstlerische Leistungen hinaus. Er suggeriert eine private Vertrautheit, die im Fall von Netrebko und Villazón reine Marketing-Konstruktion ist. Bei Angela Gheorghiu und Roberto Alagna war die Implikation eine Zeit lang gedeckt. Aber dieses Duo zeigt auch, wie schnell Partnerschaften für die Klassik-Kasse ...
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