Koks und Nutten
Dass Massenets «Manon» derzeit auf den großen Bühnen wie auch auf DVD eine Renaissance erlebt, liegt wohl auch an den unübersehbaren Vorzügen der Anna Netrebko. Auch in Mainz ist eine junge Russin für Massenets tragische Heldin am Start – eine Anna ebenfalls, wenn auch nur mit einem «n».
Ana Durlovski ist den Mainzer und Berliner Theatergängern gut als «Königin der Nacht» bekannt, in Mainz hat sie ihr Fach mit der «Rosenkavalier»-Sophie und der «Lucia di Lammermoor» geweitet – und ihre Manon ist noch einmal eine Klasse besser: Die Stimme mit dem attraktiven dunklen Timbre hat sich gerundet und an lyrischer Fülle gewonnen, ohne an Leichtigkeit in der Höhe zu verlieren. Außerdem schmeißt sich die junge Sängerin mit Verve in ein Regiekonzept, das es in sich hat: Tatjana Gürbaca, in Mainz zum dritten Mal zu Gast, hat sich offensichtlich entschlossen, bei diesem Massenet einiges gegen den Strich zu bürsten. Diese Manon steigt aus behütetem Elternhaus (der Schluss zeigt eine kleine Ballett-Elevin als «junge Manon») in Halb- und Unterwelten ab. Vom Playboy-Häschen zur Putze im Sexkino (wo auch das «kleine Tischchen» steht, das sie mitreißend besingt), vom Nachtklub zur Triebbefriedigerin ...
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Das Ende gehört den Opfern. Während das Opernvolk auf der Bühne mit seinen schwarzgläsernen Schutzbrillen noch ganz im Bann der ersten Testzündung der Atombombe verharrt, setzen die letzten Minuten des «Doctor Atomic» zum Sprung durch Zeit und Raum an. Nur die zaghafte Stimme einer Japanerin, die für ihr Kind um ein Glas Wasser bittet, klingt aus den Lautsprechern...
Mit ihrer Ansicht über die wahren Antriebsgründe menschlicher Entscheidungen hält Maria de Alvear nicht hinterm Berg: Ist schon der Titel ihrer neuen Kammeroper «Colourful Penis» einigermaßen explizit, wird die Spanierin im Beiheft der Uraufführung bei den Dresdner Tagen für zeitgenössische Musik noch deutlicher: Die Sexualität, schreibt sie, sei der mehr oder...
Wenn der Franzose «baroque» sagt, kann er das auch abschätzig meinen. Bedeutet das Wort im Grunde doch «wunderlich, übertrieben», gar «geschmacklos». Dem gegenwärtigen Direktor der Wiener Staatsoper vorzuwerfen, er orientiere sich daran, wäre freilich nicht richtig. Ioan Holender bezeichnet das Haus am Ring schlicht als atmosphärisch nicht besonders geeignet für...
