Auf halbem Wege

Verdi: Messa da Requiem
Hamburg | Staatsoper

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Eine junge Frau hält einen Totenkopf in den Händen, betrachtet ihn eingehend, wirft ihn dann von sich; ein Kind fängt den mutmaßlichen Schädel auf, er entpuppt sich als Ball. Und wir haben uns täuschen lassen. Calixto Bieito punktet, führt mit einem konkreten, angemessen schillernden Bild in seine szenische Anverwandlung von Verdis «Messa da Requiem» ein. Mutter und Sohn spielen miteinander.

Doch liegt in diesem familiären Carpe diem nicht auch ein heimliches, die schlichte Idylle gefährdendes Memento mori? Muss der Kleine, der in der vom Regisseur erdachten Figurenkonstellation als Sohn von Sopransolistin und Bass erkennbar wird, womöglich eines frühen Todes sterben? Die dezidiert alltägliche Exposition dieser Veroperung einer Requiemmusik, die Hans von Bülow einst als «Oper im Kirchengewande» verspottete, lässt uns anregend heutige Bilder erwarten, lässt uns übers eigene Glauben, Hoffen und Zweifeln nachsinnen wie über jenes des mindestens kirchenkritischen Komponisten, der im finalen «Libera me» zwar um Erlösung fleht, ohne aber ein letztgültiges Versprechen auf ein ewiges Leben geben zu können. Über dem sanften utopischen Vorschein steht musikalisch ein in vierfachem Piano ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Peter Krause

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