Totentanz
Nichts liegt näher in Verdis «Un ballo in maschera» als die Assoziation mit dem Totentanzmotiv – das Leben, ein bewusstloser Tanz in den Abgrund. Statt des Mondänen das Makabre: Diese Akzentuierung war selten so überdeutlich zu erleben wie in Tatjana Gürbacas detailreicher, fast choreografisch präziser, freilich auch überladener Neuinszenierung am Staatstheater Mainz.
Es begann fast klamaukhaft. In einem untiefen Vorzimmer die versammelten Schranzen, unter ihnen Verschwörer mit bedrohlich blinkendem Höllenmaschinenkoffer.
Riccardo (darstellerisch höchst aktiv und mit schmelzend-strahlendem Timbre: Sergey Drobyshevsky) tritt auf als Operettenherrscher, seine Staatsgeschäfte eine Dauerparty. Page Oscar als kesser Punk (schlank und koloraturensicher: Tatjana Charalgina) zieht den Justizchef rabiat in die Trubel-Scharade hinein und reißt ihm im Konfettiregen die Perücke vom Kopf. Der Aufbruch zu Ulrica, ein aufgekratzter Karnevalszug.
Mit dem Bild bei dieser Wahrsagerin (souverän und visionär gesungen von Sanja Anastasia) kippt die Optik unvermittelt – wie die zum ersten Fortissimo-Orchesterakkord eingerissene Rückwand – ins Pechschwarze. Zu Ulricas sinistrem Metier gehören in Gürbacas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hans-Klaus Jungheinrich
Vera Nemirovas lebhafte und detailreiche Frankfurter «Ring»-Interpretation ist sicher ein gewichtiger Grund dafür, dass geplante Gesamtaufführungen auf Anhieb für ein ausverkauftes Haus sorgten. Und zwar, bevor mit «Götterdämmerung» überhaupt der Schluss des Unternehmens erreicht war. Dieses Finale versetzte die bisher virtuos kompilierte, nach der gewitzten...
Nach den Komödien «Les Paladins» und «Platée» in den letzten beiden Spielzeiten hat die Deutsche Oper am Rhein ihren Rameau-Zyklus jetzt mit der 1737 entstandenen Tragédie en musique «Castor et Pollux» abgeschlossen. Rameau greift für den mythologischen Stoff der antiken Dioskuren die hybride Mischform der opéra-ballet auf, die Lully am Ende des 17. Jahrhunderts...
Eine eher lakonische Mitteilung fand sich im Januar auf der Homepage des Theaters an der Wien: «Aufgrund von nicht überbrückbaren Auffassungsunterschieden über die künstlerische Gestaltung und Umsetzung des Programms ab 2015 haben die Bregenzer Festspiele und Intendant Roland Geyer die Zusammenarbeit einvernehmlich gelöst.»
Dem Vernehmen nach hatte Geyer vor,...
