Spiesserglück
Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte Gesellschaftssatire getraut – und kann einen Erfolg zur rechten Zeit verbuchen: Nach den bislang eher zwiespältig aufgenommenen Opernproduktionen unter der neuen Intendanz von Karl M.
Sibelius ist der Regisseurin Jasmina Hadziahmetovic mit «Broucek» eine durchdachte, publikumsfreundliche Inszenierung gelungen.
Mathias Broucek (in Trier wird die deutsche Fassung gegeben) ist der unfreundliche Typ von nebenan. Sein Horizont reicht nicht viel weiter als bis zur Wölbung seines prallen Bauchs. Ein Spießer, der sich selbst auf Traumreise treu bleibt – ob es nun zum Mond geht oder ins frühe 15. Jahrhundert, die Zeit der Hussiten-Kriege. Stets hat Broucek nur das eigene Wohlergehen im Sinn. Die Szenenwechsel erfolgen in Trier ohne großen Aufwand, gleichsam poetisch reduziert: Zunächst lernen wir Broucek in einer Hütte kennen, ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Claus Ambrosius
Schon vor Wagner taugte der Tod zum Happy End. «Manon Lescaut» von Daniel-François-Esprit Auber – die früheste der drei Abbé Prévost-Vertonungen – bekennt sich trotz tödlichem Ausgang zur Opéra comique. Zu Recht! «Comme un doux rêve», wie ein süßer Traum kommt das Ende der leichtlebigen, operndösig verruchten Titelheldin daher. Aber nur bei Auber.
Dass es seither...
Das erste Bild ist vielversprechend. Rigoletto, das aufgeschminkte Clownsgesicht verzweifelt verzogen, trägt einen Karton vor sich her. Er bewahrt darin Kleidungsstücke auf, die ihn an die durchgemachte Tragödie erinnern. Auf der Bühne der Opéra Bastille läuft die Handlung nämlich als Rückblende ab: Die Ereignisse, die einst Rigolettos Seele versehrten, werden...
Briefe sind nicht Jedermanns Sache», entschuldigt sich Gustav Mahler 1892 bei der Mezzosopranistin Laura Hilgermann, «– meine schon gar nicht! Lieber schreibe ich 10 Lieder als einen Brief.» Dennoch ist es dem unermüdlichen Mahler-Herausgeber Franz Willnauer ein weiteres Mal gelungen, bisher ungedruckte Briefe des Komponisten, Dirigenten und Operndirektors an...
