Schwerelose Eleganz
Irgendwann haben sie die Sache selbst in die Hand genommen. Mitten in der Krise, als das Land am Abgrund stand und die meisten Isländer andere Sorgen hatten als die Baustelle am Alten Hafen von Reykjavík. Rund neunzig Millionen Euro waren bereits in das neue Konzert- und Kongresszentrum Harpa (Harfe) investiert, als der Schuldensturm über den kleinen Inselstaat hereinbrach, weil die Landsbanki und andere Geldinstitute sich in den Casinos der Finanzwelt verzockt hatten.
Die 320 000 Einwohner standen noch unter Schock, da steckten Katrín Jakobsdóttir und Hanna Birna Kristjánsdóttir die Köpfe zusammen und beschlossen: Jetzt erst recht! Im Oktober 2008 war das, die Arbeiten auf dem Harpa-Gelände ruhten, die Stimmung drohte gegen das Projekt zu kippen. Und vielleicht gäbe es heute tatsächlich nur eine Bauruine, wenn dieses Frauen-Duo sich nicht eingemischt hätte. Katrín, die junge Kultusministerin von den Grünen, und Hanna Birna, die damalige Bürgermeisterin von den Konservativen (in Island redet man sich mit dem Vornamen an). Irgendwie gelang es ihnen, die Menschen und die Politik zu überzeugen, dass Island ein Zeichen des Aufbruchs brauche – ein Kulturhaus für alle. Gerade in ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Albrecht Thiemann
Dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt, darin ist sich Andrea Moses, die jetzt in Stuttgart Bergs «Wozzeck» herausgebracht hat, mit Karl Marx, aber auch mit Michel Foucault einig. Sie holt Bergs bedrückende Musikalisierung von Büchners Parabel in die unmittelbare Gegenwart und rückt sie den Zuschauern hautnah auf den Leib.
Christian Wiehles...
Im Kreis vertrauter Menschen war er anders. Da sagte er Dinge, die direkter, persönlicher und präziser waren als vieles, was er offiziell redend oder schreibend von sich gab. Plötzlich wich der strenge Fischer-Dieskau-Habitus einer Schutzlosigkeit, wie sie nur wenige Menschen zulassen (können) und wie sie in seinem Gesang hörbar war. «Ein Sänger stirbt zweimal»,...
Er ist und bleibt ein Spieler. Ein homo ludens, der mit kindlicher Freude Figuren in prachtvollen Kulissen bewegt. Und dabei, egal was er anpackt, immer zu gewinnen scheint. Niemand schlägt auf der Opernbühne aus dem eigenen Spieltrieb buntere Funken. Keiner treibt auf der Suche nach dem ultimativen spectaculum den Apparat so virtuos zum Wahnsinn. Wenn Stefan...
