Rückzug ins Unverbindliche

Karlsruhe, Verdi: Simon Boccanegra, Wagner: Die Walküre

Opernwelt - Logo

Zum Scheitern führen viele Wege. Die Regisseure der beiden Opern-Neuproduktionen zu Beginn der laufenden Spielzeit am Badischen Staatstheater, Robert Tannenbaum bei «Simon Boccanegra» und Denis Krief, der seine Auseinandersetzung mit dem «Ring des Nibelungen» nach dem «Rheingold» im vorigen Jahr jetzt mit der «Walküre» fortgesetzt hat, gingen von diametral entgegengesetzten ästhetischen Voraussetzungen aus. Tannenbaum setzte auf radikale Aktualisierung und ließ die «Boccanegra»-Handlung, die er höchst eigenwillig auslegt und umfunktioniert, in der modernen Medienwelt spielen.

Krief dagegen wollte Wagner beim Wort nehmen, er beschwor die zeitlos aktuelle Sagenwelt des Monumentalwerks. Ihren Gegenstand haben beide In­szenierungen, jede auf ihre Weise, verfehlt.       
Der Chronologie der beiden Karlsruher Premieren folgend zuerst zu «Simon Boccanegra»: Von seinem Ausgangspunkt her ließe sich Tannenbaums dramaturgisches Konzept nachvollziehen. «Simon Boccanegra» ist tatsächlich ein hoch politisches und zugleich tief pessimistisches Drama. Folgerichtig erscheint daher die Inszenierung des genuesischen Früh­renaissance-­Polit­thrillers als Parabel auf die politischen Umtriebe und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Gábor Halász

Vergriffen
Weitere Beiträge
Neue Heimatkunst

Das Projekt verdankt sein zen­trales Stichwort dem bewundernden Ausruf eines Radioreporters über den Stürmer Günter Netzer (bzw. dem Kulturtheoretiker Karl Heinz Bohrer, der die tief­sinnige Formulierung kolportierte). Die Kreation zielt hörbar auf Phänomene der Alltagskultur – und auf den Versuch, Impressionen und Entladungen aus der Fußballwelt in die Sphäre...

Verdi: Macbeth

Gleich zu Beginn dieser Oper kracht es gewaltig. Und die Dresdner Staatskapelle, viel gerühmt für ihre Spielkultur bei Musik­theaterwerken der Moderne, beweist Sinn für Gegensätze. Eindrucksvoll, wie sich Verdis wuchtige Erschütterungen schon im Vorspiel mit unbeschwert lapidaren Momenten mischen, wie sich heroisches Pathos und unheilig-vorgetäuschte Nüchternheit...

Pappnasen in Sibirien

Im Scheinwerferkreis erst eine Hand, dann eine rote Clownsnase, schließlich der, der sie sich aufsetzt: ein kleiner, dicker Mann, den blauen Frack überm Unterhemd, über der Smokinghose. Er stolpert wie Butler James, bloß über den Souffleurkasten, gibt mehrfach vergeblich das Zeichen zum Einsatz der Musik. Wir haben es mit dem wandelnden Leitmotiv des ganzen Abends...